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Kunststoff fräsen: Leitfaden zur CNC-Bearbeitung

Kunststoff fräsen mit CNC: Materialien, Toleranzen, 3- vs. 5-Achs, Prozesskette und Kosten. Aus der Praxis von H. Scheffel.

· 12 Min Lesezeit

Wenn ein Konstrukteur ein präzises Kunststoffteil vom CAD-Modell zum fertig geprüften Bauteil bringen will, stellt sich früh dieselbe Frage: Welches Fertigungsverfahren liefert die geforderten Toleranzen, hält das Material stabil und rechnet sich bei der geplanten Stückzahl? CNC-Kunststoff fräsen ist dabei für Einzel- bis Kleinserien in technischen Werkstoffen das leistungsfähigste Verfahren. Voraussetzung: Schnittparameter, Werkzeugwahl und Kühlung sind auf das Material abgestimmt.

Kunststoff fräsen unterscheidet sich grundlegend vom Bearbeiten von Stahl oder Aluminium. Wärmedehnung, Neigung zum Schmelzen und materialspezifische Spanbildung erfordern angepasste CNC-Programme und Werkzeuggeometrien. Wer das ignoriert, riskiert Maßabweichungen, Aufbauschneiden und Ausschuss.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen: welche Werkstoffe für die CNC-Bearbeitung geeignet sind, welche Toleranzklassen beim Kunststoff fräsen erreichbar sind, wann 5-Achs-Fräsen gegenüber 3-Achs lohnt, wie die Prozesskette vom Rohling bis zur montierten Baugruppe aussieht und wann CNC wirtschaftlich die richtige Wahl ist.

Das Wichtigste in Kürze

ThemaKey Takeaway
MaterialbreitePMMA, PETG und PC; sowie PEEK, POM, PA, PTFE, PEI, PVDF und weitere technische Kunststoffe sind CNC-fräsbar
ToleranzenKategorie A (PEEK, POM, PEI) erlaubt engere Toleranzen als Kategorie B (PA, PTFE)
Maschinentypen5-Achs-Fräsen ermöglicht mehrseitige Zerspanung komplexer Geometrien in einer Aufspannung; Repositionierungsfehler entfallen
ProzessketteVon Zuschnitt über CNC bis Baugruppenmontage aus einer Hand
QualitätssicherungDIN ISO 9001 + Rückverfolgbarkeit jedes Bauteils
VerfahrensvergleichCNC sinnvoll ab Stückzahl 1; Spritzguss erst ab hohen Serien wirtschaftlich
OberflächengüteRa 0,6 μm (Präzision) bis Ra 3,6 μm (Standard) je nach Material und Bearbeitungsschritt

Was ist CNC-Fräsen von Kunststoffen?

CNC-Fräsen von Kunststoffen ist ein Zerspanungsverfahren, bei dem ein Rohling durch computergesteuerte, rotierende Fräswerkzeuge materialabtragend bearbeitet wird. Im Unterschied zur Metallbearbeitung erfordert das Kunststoff fräsen angepasste Schnittparameter, spezifische Werkzeuggeometrien und eine kontrollierte Wärmeentwicklung, um Schmelzen, Aufbauschneiden und Maßabweichungen zu vermeiden.

Kunststoffe haben eine 8- bis 10-fach größere Wärmedehnung als Metalle. Das ist der entscheidende Unterschied, den jedes CNC-Programm berücksichtigen muss. Dazu kommt: Viele Kunststoffe neigen bei zu hohen Schnittgeschwindigkeiten zum Schmelzen statt zum sauberen Spanbruch.

Vom CNC-Fräsen abgegrenzt ist Drehen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein spannendes Verfahren, aber mit anderen Kinematiken. Drehen rotiert das Werkstück gegen ein feststehendes Werkzeug. CNC-Fräsen ermöglicht freie 2D- und 3D-Konturen, Taschen, Nuten, Bohrbilder und Freiformflächen.

Gegenüber der manuellen Bearbeitung liefert das Kunststoff fräsen per CNC höhere Reproduzierbarkeit, engere Toleranzklassen und die Möglichkeit, identische Bauteile in Serie herzustellen. Beim manuellen Fräsen hängt die Genauigkeit stark vom Bediener ab. Den vollständigen Ablauf vom Rohling zum fertigen Bauteil erklären wir in unserem Beitrag zum CNC-Fertigungsprozess.

Welche Kunststoffe lassen sich CNC-fräsen?

Grundsätzlich lassen sich die meisten thermoplastischen Kunststoffe CNC-fräsen. Besonders gut geeignet sind Hochleistungskunststoffe wie PEEK, POM, PA, PTFE, PEI (Ultem) und PVDF sowie Standardkunststoffe wie PE und PP. Entscheidend für die Materialwahl sind Temperaturbeständigkeit, chemische Beständigkeit und die geforderten Toleranzklassen.

Materialübersicht: Technische Kunststoffe für die CNC-Bearbeitung

WerkstoffKurznameBesonderheitToleranz-kategorieTypische Anwendung
PolyetheretherketonPEEKBis 260°C, extrem festAMedizintechnik, Luft-/Raumfahrt
PolyoxymethylenPOMGute Gleiteigenschaften, hohe MaßhaltigkeitAZahnräder, Gleitlager, Maschinenteile
PolyamidPAZäh, feuchtigkeitsempfindlichBStrukturbauteile, Gehäuse
PolytetrafluorethylenPTFEChemisch inert, -200°C bis +260°CBDichtungen, Chemietechnik
PolyetherimidPEI (Ultem)Flammhemmend, Medizintechnik-tauglichAMedizintechnik, Elektronik
PolyvinylidenfluoridPVDFUV-beständig, lebensmittelkonformALebensmittelindustrie, Chemie
PolyethylenPE (HD/UHM)Schlagzäh, kostengünstigBBehälter, Maschinenbau
PolypropylenPPLeicht, chemisch beständigBChemietechnik, Laborausstattung

Die Toleranzkategorie nach DIN ISO 2768 gibt an, welche Genauigkeit beim Kunststoff fräsen planbar ist. Kategorie A umfasst Werkstoffe mit geringer Feuchtigkeitsaufnahme und niedrigem Ausdehnungskoeffizienten: PEEK, POM, PEI, PVDF. Bei ihnen sind engere Toleranzen prozesssicher erreichbar. Kategorie B steht für Materialien mit hoher Feuchtigkeitsaufnahme oder hohem Ausdehnungskoeffizienten: PA, PTFE, PE. Hier ist eine weitere Toleranzplanung erforderlich (Grundlage: DIN ISO 2768).

Besonders bei Hochleistungskunststoffen wie PEEK, PEI und PVDF liegt ein klarer Differenzierungsvorteil: Nicht jeder Lohnfertiger beherrscht diese Materialien in Kombination mit 5-Achs-CNC-Bearbeitung. Die Kombination aus Materialkompetenz und Maschinenausstattung entscheidet über die erreichbare Bauteilqualität. Alle Details zu PEEK, POM und PTFE in der CNC-Bearbeitung finden Sie in unserem Vertiefungsartikel Hochleistungskunststoffe fräsen: PEEK, POM, PTFE. Bei der Auswahl des richtigen Werkstoffs hilft Ihnen unser Leitfaden zur Materialauswahl.

3-Achs oder 5-Achs: Welche Maschine ist die richtige für Ihr Bauteil?

Für einfache Konturen, Taschen und Bohrungen reicht 3-Achs-Fräsen. Sobald Hinterschnitte, komplexe Freiformflächen oder mehrere Bearbeitungsseiten gefragt sind, ist 5-Achs-CNC-Fräsen die überlegene Wahl. Das Bauteil wird in einem Aufspannen fertig bearbeitet: Repositionierungsfehler entfallen, Toleranzen bleiben konstant.

3-Achs-CNC-Fräsen arbeitet in den Linearachsen X, Y und Z. Es eignet sich gut für planare Bauteile, einseitig zugängliche Taschen, Nuten und einfache Bohrbilder. Sobald das Bauteil auf mehreren Seiten bearbeitet werden muss, sind manuelle Umspannungen nötig. Jede Umspannung bringt eine potenzielle Positionierungsabweichung mit sich.

5-Achs-Fräsen addiert zwei Rotationsachsen. Das Werkstück bleibt in einer Aufspannung, während das Werkzeug aus nahezu beliebigen Winkeln anfahren kann. Das ermöglicht komplexe Freiformflächen, Hinterschnitte und Bohrungen auf mehreren Seiten in einem Durchgang. Kürzere Fräswerkzeuge sind möglich, weil das Werkzeug optimal zum Bauteil orientiert wird: weniger Vibration, bessere Oberflächen.

Unsere 5-Achs-Fräsen unter anderem mit Heidenhain-Steuerung bieten einen Arbeitsraum von bis zu 3.640 × 1.800 × 900 mm. Das ist besonders relevant für großformatige Kunststoffbauteile und geformte Hauben, die in dieser Dimension auf einer einzigen Maschine vollständig bearbeitet werden können. Den ausführlichen Vergleich finden Sie in unserem Beitrag 3-Achs vs. 5-Achs CNC-Fräsen.

Entscheidungshilfe: 3-Achs oder 5-Achs?

BauteilanforderungEmpfehlung
Einfache Taschen, ebene Flächen, Bohrungen3-Achs
Mehrere Bearbeitungsseiten, Hinterschnitte5-Achs
Komplexe Freiformflächen5-Achs
Großformatige Platten >1.800 mm5-Achs (Scheffel-Fräse)

Zu unseren Maschinenkapazitäten und Möglichkeiten in der CNC-Bearbeitung informieren wir Sie gerne direkt.

Typische Anwendungen und Branchen für Kunststoff Frästeile

CNC-gefräste Frästeile aus Kunststoff sind überall dort gefragt, wo hohe Präzision, chemische Beständigkeit oder Lebensmittelkonformität gefordert ist. Die Materialbreite von Standardkunststoffen bis zu Hochleistungswerkstoffen macht das Kunststoff fräsen zu einem vielseitigen Verfahren für unterschiedliche Industriezweige.

Maschinenbau und Anlagenbau: Führungsleisten, Gleitlager, Abstreifer und Maschinengehäuse aus POM, PA oder PE-UHMW sind typische Frästeile aus Kunststoff in diesem Segment. Die Anforderungen liegen bei Verschleißfestigkeit und enger Maßhaltigkeit. POM eignet sich hier besonders durch seine ausgezeichneten Gleiteigenschaften und die hohe Präzision bei der CNC-Bearbeitung.

Medizintechnik und Pharmaindustrie: Instrumentengehäuse, Probenhalter und Greifer aus PEEK oder PEI (Ultem) sind sterilisierbar, biokompatibel und erfüllen die Rückverfolgbarkeitsanforderungen regulierter Branchen. DIN ISO 9001 und lückenlose Materialdokumentation sind hier Pflicht, nicht Option. Mehr zu Kunststoffeinsatz in dieser Branche lesen Sie in unserem Artikel zu Kunststoffen in der Medizintechnik sowie in unserem Cluster-Beitrag CNC-Kunststoffteile für Medizintechnik.

Lebensmittel- und Getränkeindustrie: Förderbänder, Gleitschienen, Kettenräder und Verpackungsführungen aus PVDF oder PE-UHMW müssen FDA-konform sein und Reinigungsmittelbeständigkeit aufweisen. Die CNC-Bearbeitung liefert hier die erforderliche Maßhaltigkeit für enge Passungen in Produktionslinien. Details dazu im Beitrag CNC-Kunststoffteile für die Lebensmittelindustrie.

Chemie- und Verfahrenstechnik: Dichtungen, Ventilkörper und Rohrleitungskomponenten aus PTFE, PVDF oder PP sind in aggressiven Medien und bei extremen Temperaturen im Einsatz. PTFE deckt einen Temperaturbereich von -200°C bis +260°C ab. Wer PTFE oder PVDF kunststoff fräsen lassen will, muss besondere Anforderungen an Spanabfuhr und Werkzeuggeometrie einplanen.

Für jeden Anwendungszweck fertigen wir individuelle Schutzeinhausungen aus PMMA, PC und PETG – von gekanteten und geklebten Konstruktionen bis hin zu komplexen Baugruppen. Die präzise Endbearbeitung auf unseren 5-Achs-CNC-Fräsmaschinen sorgt für exakte Konturen, passgenaue Bohrbilder und eine gleichbleibend hohe Fertigungsqualität.

Für Prototypen und Kleinserien gelten eigene Anforderungen an Planung und Kalkulation; mehr dazu in unserem Beitrag CNC-Prototypen und Kleinserien aus Kunststoff. Einen Überblick über industrielle Kunststoffteile in verschiedenen Branchen bietet unser Hintergrundartikel.

Welche Toleranzen und Oberflächenqualität sind beim Kunststoff-Fräsen erreichbar?

Beim CNC-Fräsen von Kunststoffen sind je nach Material Toleranzen bis E9 erreichbar. Standardmäßig gilt DIN ISO 2768 Klasse m (mittel) oder c (grob). Bei Präzisionswerkstoffen wie PEEK oder POM sind Linearmaße von ±0,02–0,05 mm möglich. Oberflächengüten reichen von <Ra 0,6 μm (Schlichten) bis Ra 3,6 μm (Schruppen).

DIN ISO 2768: Das Toleranzsystem für gefräste Kunststoffteile

DIN ISO 2768 gliedert sich in zwei Teile. DIN ISO 2768-1 regelt lineare Maßtoleranzen in vier Klassen: f (fein), m (mittel), c (grob) und v (sehr grob); gültig für Längenmaße bis 1.000 mm. DIN ISO 2768-2 erfasst geometrische Toleranzen wie Geradheit, Ebenheit und Rechtwinkligkeit in den Klassen H, K und L.

Für Kunststoffe gilt in der Praxis meist Klasse c oder m als Standard. Das liegt an der materialspezifischen Thermik: Kunststoffe dehnen sich 8- bis 10-mal stärker aus als Metalle. Dazu kommt bei feuchtigkeitsempfindlichen Werkstoffen wie PA eine Volumenveränderung durch Feuchtigkeitsaufnahme von bis zu 1%. Engere Toleranzen als DIN 2768 mK sind grundsätzlich nur nach Rücksprache mit dem Hersteller sinnvoll zu planen (Grundlage: Ensinger-Verarbeitungsrichtlinien für feuchtigkeitsempfindliche Werkstoffe).

Konkrete Toleranzwerte für POM (verifiziert)

POM (Polyoxymethylen) gehört zur Toleranzkategorie A und liefert als Referenzwerkstoff folgende erreichbare Werte beim Kunststoff fräsen (Werte nach Ensinger- und Röchling-Verarbeitungsrichtlinien):

MerkmalErreichbare Toleranz
Linearmaße±0,02 – 0,10 mm
Bohrungsdurchmesser±0,02 – 0,05 mm
Ebenheit0,05 – 0,10 mm / 100 mm
Oberflächenrauheit Ra0,4 – 1,6 μm (bearbeitet)

Präzisionsfertigung erreicht eine Oberflächengüte von <Ra 0,6 μm. Das entspricht einer hochwertigen Schlichoberfläche. Standardbearbeitung liefert Ra 1,6–3,6 μm, was für die meisten Maschinenbauanwendungen ausreicht.

Die Materialabhängigkeit der erreichbaren Toleranzklassen (Kategorie A vs. B, siehe Abschnitt Materialübersicht) bleibt die entscheidende Planungsgröße. Unsere Qualitätssicherung dokumentiert und prüft jedes Bauteil nach definierten Prüfplänen. Den vollständigen Toleranz-Leitfaden mit Materialvergleich finden Sie in unserem Beitrag zu Toleranzen bei CNC-Kunststoffteilen. Oberflächengüten und Nachbearbeitungsmöglichkeiten erklären wir detailliert im Beitrag zur Oberflächenqualität bei CNC-Kunststoffteilen.

CNC-Fräsen vs. Spritzguss vs. 3D-Druck: Was passt wann?

Die Verfahrenswahl hängt primär von Stückzahl, Bauteilkomplexität und Anforderungen an Materialeigenschaften ab, nicht von der Verfügbarkeit der Technologie. Wer das falsche Verfahren für seine Losgröße wählt, zahlt entweder zu hohe Werkzeugkosten oder bekommt nicht die geforderten Toleranzen.

KriteriumCNC-FräsenSpritzguss3D-Druck (FDM/SLA)
StückzahlAb 1 (Einzel- bis Kleinserie)Ab ~1.000 wirtschaftlichAb 1, langsam
WerkzeugkostenKeineHoch (€5.000–100.000+)Keine
MaterialbreitePEEK, POM, PA, PTFE, PEI, PVDF u.v.m.Eingeschränkt auf spritzgießbare PolymereEingeschränkt
ToleranzenBis ±0,02 mmAbhängig von Werkzeug, ±0,1–0,3 mm typisch±0,2–0,5 mm
HochleistungskunststoffeJa (PEEK, PTFE, PEI, PVDF)BedingtKaum
VorlaufzeitKurz (Tage)Lang (Wochen bis Monate)Kurz (Stunden–Tage)
Mechanische EigenschaftenVollmaterial, isotropVollmaterial, isotropAnisotrop (FDM)

Kunststoff fräsen per CNC ist die klare Wahl, wenn eines dieser Kriterien zutrifft: Einzelteil oder Kleinserie, Hochleistungskunststoff (PEEK, PTFE, PEI), enge Toleranzanforderungen, schnelle Lieferzeit ohne Werkzeugvorlauf. Spritzguss rechnet sich erst ab höheren Stückzahlen, weil die Werkzeugkosten auf die Serie verteilt werden. Für Bauteile, die ohnehin in großen Mengen produziert werden sollen, bietet unser Ratgeber zum Spritzguss-Verfahren die passende Grundlage.

3D-Druck eignet sich gut für Geometrieprototypen und Funktionsmuster, liefert aber durch den schichtweisen Aufbau anisotrope mechanische Eigenschaften. Für Bauteile unter Dauerlast oder mit engen Passungen ist das ein kritischer Nachteil gegenüber gefrästem Vollmaterial. Für Prototypen aus Kunststoff gelten eigene Regeln; mehr dazu im Artikel Prototypenbau aus Kunststoff. Den ausführlichen Verfahrensvergleich mit Kostenanalyse finden Sie in unserem Beitrag CNC-Fräsen vs. Spritzguss vs. 3D-Druck.

Der Ablauf: Von der Zeichnung zum fertigen Frästeile aus Kunststoff

Die Fertigungskette beim CNC-Kunststoff fräsen umfasst sechs Schritte: von der Zeichnungsanalyse bis zur qualitätsgesicherten Lieferung. Entscheidend ist, dass alle Schritte intern durchgeführt werden. Kein Outsourcing, keine Schnittstellen zwischen verschiedenen Fertigern.

Schritt 1: Anfrage und Zeichnungsanalyse. CAD-Daten oder technische Zeichnungen werden eingereicht als DXF, DWG, STEP oder PDF. Im ersten Schritt prüfen wir Machbarkeit, Materialeignung und Toleranzanforderungen. Wenn die Zeichnung Konfliktpunkte enthält (z.B. enge Toleranzen in Kategorie-B-Material), klären wir das vor dem ersten Span.

Schritt 2: Materialzuschnitt. Das Rohmaterial aus Platten, Rundstäben oder Profilen wird maßgenau zugeschnitten. Unser interner Kunststoff-Zuschnitt stellt sicher, dass das Ausgangsmaterial für den CNC-Schritt optimal vorbereitet ist. Kein Outsourcing, keine Qualitätsverluste an externen Schnittstellen.

Schritt 3: CNC-Programmierung (CAM). Aus dem CAD-Modell wird das CNC-Programm erstellt. Bei 5-Achs-Teilen erfolgt eine Simulation vor dem ersten Span. Das vermeidet Kollisionen und Programmfehler, die bei komplexen Geometrien in teuren Hochleistungskunststoffen besonders kostspielig wären.

Schritt 4: CNC-Fräsen. Die Bearbeitung erfolgt auf unserer 5-Achs-Fräse mit Heidenhain-Steuerung und dem Arbeitsraum von 3.640 × 1.800 × 900 mm. Der Prozess folgt dem Schema Schruppen, Schlichten, Fertigmaß. Die Kühlung ist materialabhängig: Druckluft, Emulsion oder Trockenbearbeitung; je nachdem, was das Material erfordert.

Schritt 5: Nachbearbeitung und Oberflächenbehandlung. Entgraten, Gewindeschneiden, Bohren, bei Bedarf Beschichten oder Verkleben. Die Nachbearbeitungstiefe richtet sich nach den Bauteilanforderungen. Details zu Nachbearbeitungsverfahren finden Sie im Beitrag Oberflächenqualität bei CNC-Kunststoffteilen.

Schritt 6: Qualitätssicherung und Lieferung. Maßprüfung, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit nach DIN ISO 9001. Unsere Qualitätssicherung stellt sicher, dass jedes Bauteil dem Prüfplan entspricht. Bei Bedarf übernehmen wir auch die Baugruppenmontage. Endmontage und funktionale Prüfung aus einer Hand.

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Diese vollständige Fertigungskette ohne Outsourcing reduziert Koordinationsaufwand, sichert Toleranzkonsistenz über alle Schritte und ermöglicht eine lückenlose Dokumentation. Eine Checkliste, wie Sie Kunststoffteile nach Zeichnung korrekt anfragen, finden Sie in unserem Beitrag Kunststoffteile nach Zeichnung bestellen. Den vollständigen Prozess erläutern wir in unserem Beitrag zum CNC-Fertigungsprozess.

Kosten und Wirtschaftlichkeit beim Kunststoff fräsen

Die Kosten für CNC-gefräste Kunststoffteile lassen sich nicht pauschal nennen. Sie hängen von fünf Faktoren ab. Diese Faktoren zu kennen, erleichtert die Anfrage und beschleunigt die Kalkulation.

Materialkosten: PEEK und PEI (Ultem) sind als Hochleistungskunststoffe deutlich teurer im Rohmaterial als POM, PA oder PE. Das spiegelt sich direkt im Stückpreis wider. Wer PEEK durch POM oder PA ersetzen kann, ohne an Funktionalität einzubüßen, spart erheblich.

Maschinenzeit und Programmieraufwand: 5-Achs-Teile mit komplexen Geometrien erfordern mehr CAM-Programmierzeit. Der Gegenvorteil: weniger Aufspannungen, weniger Rüstaufwand, weniger Fehlerquellen. Bei einfachen Geometrien rechnet sich 3-Achs-Bearbeitung günstiger.

Losgröße: Für Einzelteile und Kleinserien ist Kunststoff fräsen per CNC wirtschaftlich die erste Wahl. Kein Werkzeug, kein Einrichtungsaufwand für Spritzgussformen. Ab hohen Serien, typisch ab 1.000 Stück aufwärts, kann Spritzguss trotz Werkzeugkosten günstiger werden, weil die Maschinenzeit je Stück sinkt.

Toleranzklasse: Beim Kunststoff fräsen gilt: Je enger die geforderte Toleranz, desto mehr Schlicht- und Feinbearbeitungsschritte sind nötig. Das erhöht die Maschinenzeit pro Bauteil. Engere Toleranzen kosten deshalb sollten Toleranzangaben in der Zeichnung realistisch und funktional begründet sein.

Zertifizierungsanforderungen: Für Bauteile in der Medizintechnik oder Lebensmittelindustrie ist Rückverfolgbarkeit nach DIN ISO 9001 Pflicht. Das bedeutet zusätzliche Dokumentationszeit. Sie bezahlt sich aber bei einer Reklamation oder einem Audit. Eine detaillierte Kostenanalyse mit Praxisbeispielen finden Sie in unserem Beitrag Was kosten CNC-Kunststoffteile?.

Fazit

CNC-Fräsen ist für präzise Kunststoffbauteile in Einzel- und Kleinserien das wirtschaftlichste und technisch leistungsfähigste Verfahren. Das gilt besonders bei Hochleistungswerkstoffen wie PEEK, PEI und PVDF. Oberflächengüten <Ra 0,6 μm und kurze Lieferzeiten ohne Werkzeugvorlauf sind die entscheidenden Argumente gegenüber Spritzguss und 3D-Druck. Unsere 5-Achs-Fräsen mit Heidenhain-Steuerung und einem Arbeitsraum von bis zu 3.640 × 1.800 × 900 mm deckt auch großformatige und hochkomplexe Bauteile ab. Kombiniert mit DIN ISO 9001, vollständiger Rückverfolgbarkeit und der Fertigungskette aus einer Hand bieten wir von Zuschnitt über Kunststoff fräsen bis Baugruppenmontage nicht nur Frästeile, sondern fertige Baugruppen mit Prüfnachweis.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Kunststoffe eignen sich am besten zum CNC-Fräsen?

POM eignet sich durch seine hohe Maßhaltigkeit und gute Gleiteigenschaften besonders gut. PEEK ist die erste Wahl bei hohen Temperaturen und mechanischen Belastungen. PA ist zäh, aber feuchtigkeitsempfindlich (Toleranzkategorie B). PTFE ist chemisch nahezu universell beständig. Für Lebensmittelanwendungen empfehlen sich PVDF und PE-UHMW.

Welche Toleranzen sind beim Kunststoff-Fräsen erreichbar?

Standard ist DIN ISO 2768 Klasse m oder c. Bei Präzisionswerkstoffen der Kategorie A (PEEK, POM, PEI) sind Linearmaße von ±0,02–0,05 mm und Bohrungstoleranzen von ±0,02 mm erreichbar. Entscheidend: Kunststoffe dehnen sich 8–10× stärker aus als Metall. Enge Toleranzen immer vorab mit dem Hersteller abstimmen.

Wie verhindert man Schmelzen beim Kunststoff fräsen?

Durch angepasste Schnittparameter: niedrige Schnittgeschwindigkeit (empfohlen 60–100 m/min), scharfe Werkzeuge und ausreichend Spanraum. Je nach Material reicht Trockenbearbeitung mit Druckluft, bei wärmesensiblen Werkstoffen ist Emulsionskühlung sinnvoll. Stumpfe Werkzeuge sind die häufigste Ursache für Schmelzspuren.

Was kostet CNC-Fräsen von Kunststoffteilen?

Die Kosten hängen von Material, Bauteilkomplexität, Losgröße, Toleranzklasse und Zertifizierungsanforderungen ab. PEEK und PEI sind deutlich teurer als POM oder PA. Ein konkretes Angebot erhalten Sie bei uns innerhalb von 30 Stunden nach Einreichung Ihrer Zeichnung.

Was ist der Unterschied zwischen CNC-Fräsen und Spritzguss bei Kunststoffen?

CNC-Fräsen ist ab Stückzahl 1 wirtschaftlich, erfordert kein Werkzeug und eignet sich für nahezu alle technischen Kunststoffe. Spritzguss wird erst ab hohen Stückzahlen wirtschaftlich, da Werkzeugkosten von €5.000 bis über €100.000 auf die Serie verteilt werden müssen. Für Prototypen, Einzelteile und Hochleistungskunststoffe wie PEEK ist CNC die überlegene Methode.

Braucht man beim Fräsen von Kunststoffen Kühlmittel?

Nicht immer. POM und PE können trocken oder mit Druckluft bearbeitet werden. Bei wärmesensiblen Werkstoffen und hohen Schnittgeschwindigkeiten ist Emulsionskühlung sinnvoll. PTFE sollte ohne wassermischbare Kühlmittel bearbeitet werden. Die Entscheidung ist materialabhängig und Teil der Prozessplanung.

Für welche Branchen werden CNC-gefräste Kunststoffteile eingesetzt?

Hauptanwendungsbranchen sind Maschinenbau, Medizintechnik, Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie Chemie- und Verfahrenstechnik. Für Medizin- und Lebensmittelanwendungen sind DIN ISO 9001, Materialrückverfolgbarkeit und FDA-konforme Werkstoffe entscheidend.

Wie unterscheidet sich die Bearbeitung von POM und PEEK?

POM ist leicht zerspanbar, liefert ausgezeichnete Oberflächen und enge Toleranzen bei moderaten Maschinengeschwindigkeiten. PEEK ist deutlich härter, teurer und erfordert scharfe Hartmetall-Werkzeuge mit angepassten Schnittparametern. PEEK ist die erste Wahl bei Temperaturen über 100°C, hohen mechanischen Lasten oder in der Medizintechnik.

Quellen

  1. DIN ISO 2768-1:1991 und DIN ISO 2768-2:1991 — Allgemeintoleranzen für Längen-, Winkel- sowie Form- und Lagetoleranzen. Beuth Verlag.

  2. KERN Microtechnik: Zerspanungshinweise für Kunststoffe — Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe.

  3. VDI-Wissensforum: DIN ISO 20457 — Toleranzmanagement bei Kunststoff-Formteilen. https://www.vdi-wissensforum.de/weiterbildung-kunststoff/toleranzmanagement-kunststoff-formteile/

  4. Ensinger GmbH: Technische Datenblätter und Verarbeitungshinweise für PEEK, POM, PTFE, PA. https://www.ensingerplastics.com/de-de

  5. Röchling Engineering Plastics: Werkstoffübersicht und Verarbeitungshinweise. https://www.roechling.com/de/engineering-plastics

Portrait von Frank Schulte

Über den Autor

Frank Schulte

Geschäftsführer · H. Scheffel GmbH

Frank Schulte ist Geschäftsführer bei der H. Scheffel GmbH und verfügt über jahrzehntelange Expertise in der Kunststoffverarbeitung. Als Spezialist für hochpräzise Formteile begleitet er Industriekunden vom Werkzeugbau bis zur Serienproduktion. Seine Schwerpunkte liegen in der technischen Beratung, Prozessoptimierung und der Umsetzung anspruchsvoller Kunststoff-Projekte für Automotive, Maschinenbau und Medizintechnik.

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