Wer CNC-Kunststoffteile für die Medizintechnik beschafft, stellt andere Fragen als ein Einkäufer im Maschinenbau. Geometrie und Liefertermin sind selbstverständlich. Die eigentlichen Zugangsfragen lauten: Welches Material ist nach ISO 10993 zertifiziert? Ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit sichergestellt? Und wie verträgt das Bauteil die vorgesehene Sterilisationsmethode?
Die Medizintechnik gehört zu den regulierten Branchen, in denen ein CNC-Lohnfertiger nicht nur Frästeile, sondern gleichzeitig Dokumentation und Normkonformität liefert. Diese Anforderungen sind kein bürokratisches Beiwerk, sondern Zugangsbedingung zum Markt. Wer sie nicht erfüllen kann, wird als Zulieferer nicht qualifiziert.
Dieser Artikel beschreibt, welche Materialien sich für CNC-gefräste Medizintechnik-Bauteile eignen, welche Normen gelten und was Qualitätssicherung in der Praxis bedeutet. Für eine allgemeine Übersicht aller Fertigungsverfahren in der Medizintechnik bietet unser Artikel über Kunststoffe in der Medizintechnik den passenden Einstieg.
Das Wichtigste in Kürze
| Thema | Key Takeaway |
|---|---|
| Materialien | PEEK und PEI (Ultem) sind die Standardwerkstoffe für sterilisierbare, biokompatible CNC-Teile |
| Normen | ISO 13485 regelt das QM-System des Zulieferers; ISO 10993 prüft die Biokompatibilität des Werkstoffs |
| Rückverfolgbarkeit | Charge, Fertigungsprotokoll, Messprotokoll und Materialzertifikat sind in der Medtech-Zulieferung Pflicht |
| CNC vs. Spritzguss | CNC ist ab 1 Stück wirtschaftlich; Spritzguss rechnet sich erst ab ca. 5.000 bis 10.000 Stück |
| Sterilisation | PEEK verträgt Dampf (134 °C), EO und H₂O₂-Plasma; PA ist nur bedingt für Sterilisation geeignet |
Welche Anforderungen stellt die Medizintechnik an CNC-Kunststoffteile?
Die Medizintechnik stellt drei grundlegende Anforderungen an CNC-Kunststoffteile: Biokompatibilität des Werkstoffs, lückenlose Rückverfolgbarkeit in der Fertigung und Kompatibilität mit dem vorgesehenen Sterilisationsverfahren. Diese drei Kriterien bestimmen die Materialauswahl, den Fertigungsablauf und die Dokumentation.
Biokompatibilität: Was der Begriff im Fertigungskontext bedeutet
Biokompatibilität beschreibt die Eigenschaft eines Werkstoffs, in Kontakt mit lebendem Gewebe oder Körperflüssigkeiten keine schädlichen Reaktionen auszulösen. Die Anforderungen sind in der Normenreihe ISO 10993 geregelt (Stand 2024: 23 Teile). Relevant für CNC-Lohnfertiger ist vor allem ISO 10993-1 (Beurteilung und Prüfung) und ISO 10993-5 (In-vitro-Zytotoxizitätsprüfung).
Entscheidend: ISO 10993 prüft den Werkstoff, nicht die Fertigung. Der Nachweis ist Aufgabe des Werkstoffherstellers. Für den Lohnfertiger bedeutet das: Er muss Materialien einsetzen, die bereits ISO-10993-zertifiziert sind, und diese Zertifikate dem Kunden mit dem Lieferschein übergeben.
Sterilisierbarkeit als Auswahlkriterium
Nicht jedes Sterilisationsverfahren verträgt jeder Kunststoff. Die drei wichtigsten Verfahren in der Praxis:
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Dampfsterilisation (Autoklavieren, 121 °C oder 134 °C): Schonend für PEEK und PEI, problematisch für PMMA und PA.
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Ethylenoxid (EO): Verträglich für fast alle Kunststoffe, erfordert aber nachgelagerte Entgasung.
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H₂O₂-Plasma (z. B. STERRAD-Verfahren): Kompatibel mit PEEK und PEI, nicht für Zellulosematerialien oder dicke Kunststofflagen.
Die Sterilisationsmethode muss beim Design der Bauteile und bei der Materialauswahl bekannt sein. Ein Wechsel der Sterilisationsmethode nach der Produktentwicklung kann die gesamte Materialwahl infrage stellen.
Regulatorischer Rahmen: MDR und was Zulieferer betrifft
Die EU-Medizinprodukteverordnung MDR 2017/745 ist seit Mai 2021 vollständig in Kraft. Sie löste die frühere MDD-Richtlinie ab. Für Lohnfertiger als Zulieferer sind vor allem zwei Aspekte relevant: Die Qualifikation als Lieferant (ISO 13485 als Standard-Anforderung vieler OEM-Hersteller) und die Mitwirkung an der Technischen Dokumentation (Materialzertifikate, Fertigungsunterlagen, Messprotokolle).
Die MDR ist eine Verordnung mit direkter Rechtsgeltung in der EU, keine Norm. Sie schreibt keine spezifischen Fertigungsverfahren vor, aber sie definiert die Pflichten der Wirtschaftsakteure in der Lieferkette. CNC-Lohnfertiger, die regelmäßig für Medizintechnikhersteller fertigen, sollten ihre QM-Dokumentation an diesen Anforderungen ausrichten.
Welche Materialien eignen sich für medizintechnische CNC-Teile?
Für CNC-gefräste Medizintechnik-Bauteile kommen vor allem PEEK, PEI (Ultem), PMMA und PA infrage. Entscheidend sind Biokompatibilität, Sterilisierbarkeit und CNC-Bearbeitbarkeit. Die Materialwahl hängt von der Anwendung, dem Kontaktgrad mit dem Patienten und der vorgesehenen Sterilisationsmethode ab.
Materialeignungstabelle: CNC-Kunststoffe in der Medizintechnik
| Werkstoff | Biokompatibilität | Dampfsterilisation | EO-Sterilisation | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| PEEK | ISO 10993, USP VI (PEEK-OPTIMA) | Sehr gut (>1.000 Zyklen) | Ja | Implantate, chirurgische Instrumente, Führungselemente |
| PEI (Ultem 1010) | ISO 10993, USP VI | Sehr gut (>1.000 Zyklen dokumentiert) | Ja | Wiederverwendbare Instrumente, Geräteschalen, Sterilisierboxen |
| PMMA | ISO 10993 (kurzzeitiger Kontakt) | Nicht geeignet (Erweichung) | Ja | Sichtfenster, Schutzabdeckungen, Laborgehäuse |
| PA 12 | Typ- und additivabhängig | Begrenzt (Feuchtigkeitsaufnahme) | Ja | Gehäuseteile, Führungselemente (nicht patientenberührend) |
PEEK: Der Universalwerkstoff für anspruchsvolle Medtech-Bauteile
PEEK (Polyetheretherketon) ist das meistgenutzte Material für CNC-gefertigte Hochleistungsbauteile in der Medizintechnik. Die medizinische Qualität PEEK-OPTIMA (Invibio) ist nach ISO 10993 zertifiziert, in USP Class VI gelistet und explizit für implantierbare Anwendungen qualifiziert.
Die Werkstoffeigenschaften, die PEEK für die Medizintechnik qualifizieren: Dauergebrauchstemperatur bis 260 °C, chemische Beständigkeit gegen Desinfektionsmittel, Röntgentransparenz (relevant für bildgeführte Chirurgie) und mechanische Festigkeit vergleichbar mit corticalem Knochen. In der CNC-Bearbeitung verhält sich PEEK gut beherrschbar: Schnittgeschwindigkeiten von 200 bis 400 m/min sind typisch, scharfe Hartmetallwerkzeuge sind Pflicht.
Eine detaillierte Betrachtung der Fräseigenschaften von PEEK im Vergleich zu POM und PTFE bietet unser Artikel über Hochleistungskunststoffe fräsen.
PEI (Ultem): Die wirtschaftliche Alternative zu PEEK
PEI (Polyetherimid), bekannt unter dem Handelsnamen Ultem, ist günstiger als PEEK und in der medizinischen Qualität Ultem 1010 (SABIC) ebenfalls nach ISO 10993 und USP Class VI zertifiziert. Die Dauergebrauchstemperatur liegt bei bis zu 170 °C (Ultem 1010), was für die meisten Sterilisationszyklen ausreicht.
Ultem 1010 ist für Wiederverwendungsinstrumente besonders gut geeignet: Über 1.000 Dampfsterilisationszyklen ohne messbare Eigenschaftsveränderung werden vom Hersteller dokumentiert. Die guten elektrischen Isolationseigenschaften machen PEI auch für elektroniknahe Bauteile (Gehäuse für portable Diagnosegeräte) interessant. Im CNC-Prozess ist PEI spröder als PEEK, was scharfe Schneidkanten und angepasste Schnittparameter erfordert.
PMMA: Transparent und CNC-fähig
PMMA (Acrylglas) besetzt eine Nische, die kein anderes Material in dieser Klasse füllt: optische Transparenz kombiniert mit CNC-Bearbeitbarkeit. Sichtfenster in Laborgeräten, Schutzabdeckungen und Gehäuseteile für Diagnosegeräte werden aus PMMA gefräst, weil die Kombination aus Optik und mechanischer Bearbeitbarkeit keine Alternative hat.
Einschränkung: PMMA erweicht bei Dampfsterilisation und scheidet damit für Bauteile aus, die autoklaviert werden müssen. EO-Sterilisation ist möglich. Die biokompatible Eignung bezieht sich auf kurzzeitigen Kontakt; für länger anhaltenden Patientenkontakt sind die jeweiligen ISO-10993-Testergebnisse des eingesetzten PMMA-Typs zu prüfen.
PA (Polyamid): Wirtschaftlich, aber mit Einschränkungen
Polyamid (PA 6, PA 12) wird in der Medizintechnik für Gehäuseteile, Führungselemente und Transportboxen eingesetzt, die keinen direkten Patientenkontakt haben. Die Feuchtigkeitsaufnahme von PA ist die zentrale Einschränkung: Sie beeinflusst die Maßhaltigkeit und erschwert Dampfsterilisation, bei der Feuchtigkeit ein Prozessbestandteil ist. Für engste Toleranzen und sterilisierbare Patientenkomponenten sind PEEK und PEI die bessere Wahl.
Biokompatibilität und Sterilisierbarkeit: Was steckt dahinter?
Biokompatibilität bedeutet, dass ein Werkstoff keine schädliche Reaktion im menschlichen Körper oder bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten auslöst. Der Nachweis erfolgt nach der Normenreihe ISO 10993 durch biologische Prüfungen, die vom Werkstoffhersteller durchgeführt und dokumentiert werden.
ISO 10993: Was die Norm regelt (Stand Mai 2026)
ISO 10993 umfasst 23 Teile. Für die Praxis in der Kunststoffbearbeitung sind vor allem relevant:
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ISO 10993-1: Rahmendokument, Risikobeurteilung und Auswahl der Prüfmethoden
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ISO 10993-5: In-vitro-Zytotoxizität (Zellverträglichkeit)
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ISO 10993-10: Sensibilisierung (Allergenpotenzial)
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ISO 10993-12: Probenvorbereitung, Referenzmaterialien
Für den CNC-Lohnfertiger bedeutet das konkret: Er setzt Werkstoffe ein, die vom Hersteller bereits ISO-10993-geprüft wurden, und dokumentiert die Charge des eingesetzten Materials. Er führt keine eigenen biologischen Prüfungen durch.
Sterilisationsverfahren und ihre Materialverträglichkeit
| Verfahren | Temperatur | PEEK | PEI | PMMA | PA |
|---|---|---|---|---|---|
| Dampf (134 °C) | 134 °C | Sehr gut | Sehr gut | Nicht geeignet | Begrenzt |
| Ethylenoxid (EO) | 37–55 °C | Ja | Ja | Ja | Ja |
| H₂O₂-Plasma | < 50 °C | Ja | Ja | Bedingt | Ja |
| Gammastrahlung | -- | Begrenzt | Begrenzt | Bedingt | Ja |
Dampfsterilisation (Autoklavieren) ist das wirtschaftlichste und am weitesten verbreitete Verfahren in Kliniken. Werkstoffe, die dieses Verfahren nicht vertragen, scheiden für wiederverwendbare Instrumente in der Regel aus.
Was CNC-Lohnfertiger für den Nachweis benötigen
Für die Lieferung an Medizintechnikhersteller sind folgende Dokumente zu stellen:
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Materialzertifikat des Halbzeug-Lieferanten mit Angabe der Charge und der biokompatiblen Spezifikation
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ISO-10993-Konformitätserklärung des Werkstoffherstellers (z. B. Invibio für PEEK-OPTIMA, SABIC für Ultem 1010)
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USP-Class-VI-Zertifikat bei US-Exportzielen oder entsprechenden Anforderungen des OEM
CNC-Bearbeitung oder Spritzguss: Was ist für Medtech die richtige Wahl?
Für kleine Stückzahlen, Prototypen und Einzelfertigung ist CNC in der Medizintechnik wirtschaftlich überlegen. Spritzguss lohnt sich erst ab hohen Stückzahlen und nach aufwändiger Prozessvalidierung, die in der Medizintechnik besondere Anforderungen stellt.
Entscheidungsmatrix: CNC vs. Spritzguss in der Medizintechnik
| Kriterium | CNC-Bearbeitung | Spritzguss |
|---|---|---|
| Wirtschaftliche Stückzahl | 1 bis ca. 5.000 Stück | Ab ca. 5.000 bis 10.000 Stück |
| Werkzeugkosten | Keine (Standardwerkzeuge) | 5.000 bis 50.000 Euro pro Werkzeug |
| Anlaufzeit bis erstes Teil | 1 bis 5 Tage | 4 bis 12 Wochen |
| Geometriefreiheit | Sehr hoch (5-Achs) | Begrenzt durch Entformbarkeit |
| Erreichbare Toleranzen | ±0,02 mm (POM, PEEK) | ±0,1 bis 0,5 mm |
| Materialauswahl | Alle CNC-fähigen Kunststoffe | Ein Werkzeug, ein Material |
| Prozessvalidierung Medtech | Geringer Aufwand | Aufwändig (IQ/OQ/PQ-Validierung) |
| Dokumentation und Rückverfolgbarkeit | Einfacher umsetzbar | Aufwändigere Chargenverwaltung |
Die Medizintechnik ist eine Branche, in der Produkte häufig in kleinen Stückzahlen über lange Lebenszyklen laufen. Ein CNC-gefertigtes Instrument für den OP-Saal kann über Jahre in dreistelligen Stückzahlen beschafft werden. Spritzguss wäre hier wirtschaftlich nicht darstellbar.
Hinzu kommt: In der Medizintechnik erfordert Spritzguss eine aufwändige Prozessvalidierung (IQ, OQ, PQ nach GHTF-Leitlinien), die bei jeder Werkzeugänderung wiederholt werden muss. CNC-Bearbeitung nach qualifiziertem Programm und Maschinenprotokoll ist regulatorisch einfacher handhabbar.
Wer die generellen Unterschiede der drei Fertigungsverfahren kennenlernen möchte, findet im Artikel CNC-Fräsen, Spritzguss und 3D-Druck im Vergleich einen strukturierten Überblick.
Qualitätssicherung: DIN ISO 9001, ISO 13485 und Rückverfolgbarkeit
ISO 9001 ist die Basis für jedes QM-System. ISO 13485 ist der spezifische Standard für Medizinproduktehersteller und ihre Zulieferer. Beide Normen unterscheiden sich nicht im Grundprinzip, aber in der Tiefe der Anforderungen an Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
ISO 9001 vs. ISO 13485: Die wesentlichen Unterschiede
| Kriterium | DIN ISO 9001:2015 | ISO 13485:2016 |
|---|---|---|
| Geltungsbereich | Branchenunabhängig | Medizinprodukte und ihre Zulieferer |
| Kundenzufriedenheit | Zentral | Nachgeordnet (Regulatorik hat Vorrang) |
| Risikomanagement | Prozessbezogen | Produkt- und patientenbezogen |
| Rückverfolgbarkeit | Empfohlen | Pflicht |
| Dokumentationstiefe | Flexibel | Detailliert vorgeschrieben |
| Lieferantenqualifikation | Risikobewertung | Formales Lieferantenqualifizierungsverfahren |
H. Scheffel ist nach DIN ISO 9001:2015 zertifiziert. Damit sind die Grundlagen für QM-Prozesse, Dokumentation und Fertigungsnachweis gelegt. Unsere Qualitätssicherung beschreibt, welche Prüfprozesse bei der CNC-Kunststoffbearbeitung standardmäßig eingesetzt werden.
Rückverfolgbarkeit in der Praxis: Was dokumentiert wird
Rückverfolgbarkeit bedeutet in der Medizintechnik: Für jedes gefertigte Bauteil muss nachvollziehbar sein, aus welcher Materialcharge es gefertigt wurde, auf welcher Maschine, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Messergebnis.
In der Praxis umfasst das bei CNC-Kunststoffteilen:
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Materialbeleg: Halbzeug-Charge, Lieferant, Spezifikation (z. B. PEEK-OPTIMA, Invibio, Charge-Nr. XXX)
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Fertigungsprotokoll: Maschinen-ID, Programm-Version, Datum, Operator
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Messprotokoll: KMG-Messung oder Handmessung, Messwerte mit Prüfdatum und Prüfmittel
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Lieferdokument: Lieferschein mit Verweis auf alle obigen Dokumente
Dieser Dokumentationsaufwand ist der Haupttreiber des Mehrpreises bei Medtech-Teilen gegenüber Standardbauteilen. Die Investition zahlt sich für den Einkäufer aus: Sie ist die Grundlage für die eigene technische Dokumentation nach MDR.
Reinigung und Verpackung nach der CNC-Bearbeitung
Medizintechnik-Bauteile werden nach der CNC-Bearbeitung gereinigt und staubfrei verpackt. Bei PEEK- und PEI-Teilen für sterilisierbare Anwendungen bedeutet das: Ultraschallreinigung oder manuelle Reinigung mit verträglichen Reinigungsmitteln, anschließend trockene Verpackung in versiegelten PE-Beuteln mit Auftragskennzeichnung.
Typische Bauteile: Instrumente, Gehäuse und Laborausstattung
Im CNC-Bereich der Medizintechnik konzentriert sich das Bauteilspektrum auf drei Kategorien: chirurgische Instrumente und implantierungsnahe Bauteile, Gehäuse und Schutzabdeckungen für Diagnosegeräte sowie Laborausstattung und Fluidik-Komponenten.
Chirurgische Instrumente und implantierungsnahe Bauteile
PEEK ist in dieser Kategorie das dominierende Material. Typische CNC-gefertigte Bauteile:
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Schneidlehren für die orthopädische Chirurgie (PEEK): Führungsschienen, die intraoperativ zur präzisen Knochenresektion eingesetzt werden. Geometrie aus CAD-Planungsdaten, enge Toleranzen, Einmalverwendung oder mehrfach sterilisierbar.
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Griffschalen und Griffkörper für Instrumente (PEEK, PEI, PA): Ergonomische Formen, oft mit Formschluss-Elementen für modulare Instrumentensysteme.
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Positionierungshilfen und Trialimplantate (PEEK-OPTIMA): Vor der definitiven Implantatversorgung eingesetzte Testbauteile mit exakt gleicher Geometrie wie das finale Implantat.
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Gehäuse und Abdeckungen für Diagnosegeräte
PEI (Ultem) und PMMA sind in dieser Kategorie am häufigsten:
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Gehäuse für portable Diagnosegeräte (PEI/Ultem): Kombination aus guten mechanischen Eigenschaften, Sterilisierbarkeit und elektrischen Isolationseigenschaften.
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Sichtfenster in Sterilisationscontainern und Laborgeräten (PMMA): Optische Transparenz für Sichtkontrolle des sterilen Inhalts ohne Öffnen des Behälters.
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Schutzabdeckungen für Laborautomation (PMMA, PC): Gehäuseteile für automatisierte Analysesysteme, die Kontaminationsschutz und Bedienerfreundlichkeit kombinieren.
Laborausstattung und Fluidik
Die Laborausstattung ist oft ein Einstiegspunkt für CNC-Lohnfertiger in die Medtech-Zulieferung, da die regulatorischen Anforderungen hier geringer sind als bei patientenberührenden Bauteilen:
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Probenhalter, Racks und Träger (PA, POM, PEEK): Mechanische Führungselemente in automatisierten Analysesystemen.
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Fluidik-Bauteile (PEEK, PTFE): Ventilkörper, Verbindungselemente und Kanalplatten in diagnostischen Geräten, bei denen chemische Beständigkeit gegen Reagenzien gefragt ist.
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Adapter und Schnittstellen für Labornormen (PA, PC): Verbindungselemente zwischen Laborgeräten verschiedener Hersteller.
Fazit: CNC-Kunststoffteile für Medizintechnik brauchen mehr als Präzision
Medizintechnik-Bauteile aus CNC-gefrästem Kunststoff sind technisch anspruchsvoll und regulatorisch komplex. PEEK und PEI (Ultem) decken den größten Teil der Anforderungen ab: Biokompatibilität nach ISO 10993, Beständigkeit gegen Dampfsterilisation und CNC-Bearbeitbarkeit in einem Werkstoff. PMMA ergänzt das Spektrum für optische Anwendungen, PA für nicht-sterilisierbare Strukturbauteile.
Die Qualitätssicherung ist kein Zusatz, sondern Teil des Produkts. Wer als Zulieferer in der Medizintechnik arbeitet, liefert neben dem Bauteil auch Materialzertifikat, Fertigungsprotokoll und Messprotokoll. Diese Dokumentation ist die Grundlage für die technische Dokumentation des Medizinprodukteherstellers nach MDR.
CNC-Bearbeitung bietet in der Medizintechnik gegenüber Spritzguss einen strukturellen Vorteil: keine Werkzeugkosten, keine aufwändige Prozessvalidierung, Anlaufzeiten in Tagen statt Wochen. Für Stückzahlen bis in den niedrigen vierstelligen Bereich ist CNC regulatorisch und wirtschaftlich die richtige Wahl.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Kunststoffe sind biokompatibel und für Medizinprodukte zugelassen?
PEEK (z. B. PEEK-OPTIMA von Invibio) und PEI (Ultem 1010 von SABIC) sind nach ISO 10993 zertifiziert und in USP Class VI gelistet. PMMA und PA eignen sich für nicht-implantierende Anwendungen, abhängig vom jeweiligen Typ und den eingesetzten Additiven. Die Zertifizierung liegt beim Werkstoffhersteller.
Was bedeutet ISO 13485 für einen CNC-Lohnfertiger?
ISO 13485 ist ein QM-System speziell für Medizinproduktehersteller und ihre Zulieferer. Es erweitert ISO 9001 um Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Lieferantenqualifikation und medizintechnikspezifische Dokumentationspflichten. Viele OEM-Hersteller in der Medizintechnik verlangen ISO 13485 als Voraussetzung zur Lieferantenqualifikation.
Wie oft kann PEEK dampfsterilisiert werden?
PEEK ist sehr beständig gegen Dampfsterilisation bei 134 °C. In der Praxis werden mehrere Hundert bis über 1.000 Zyklen ohne messbare Eigenschaftsveränderung dokumentiert, abhängig von der eingesetzten PEEK-Spezifikation (z. B. PEEK-OPTIMA von Invibio) und den jeweiligen Prüfbedingungen.
Was kostet ein ISO-konformes CNC-Medtech-Teil mehr als ein Standardteil?
Der Mehraufwand entsteht durch Materialzertifikate, Fertigungsprotokolle und KMG-Messprotokolle. Je nach Bauteil und Losgröße sind Aufpreise von 20 bis 50 % gegenüber einem nicht-dokumentierten Standardteil realistisch. Kleinere Losgrößen tragen den Dokumentationsaufwand auf weniger Teile.
Was ist der Unterschied zwischen ISO 10993 und MDR?
ISO 10993 ist eine technische Normenreihe, die die biologische Verträglichkeit von Werkstoffen prüft. Die MDR (EU-Verordnung 2017/745) ist die gesetzliche Grundlage für das Inverkehrbringen von Medizinprodukten in der EU und hat direkte Rechtsgeltung. ISO 10993 wird in der MDR als Werkstoffnachweis referenziert.
Quellen
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EU-Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR). https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2017/745/oj?locale=de
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DIN EN ISO 13485:2021 — Medizinprodukte: Qualitätsmanagementsysteme. Beuth Verlag. https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-iso-13485/332674603
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DIN EN ISO 10993-1:2021 — Biologische Beurteilung von Medizinprodukten, Teil 1: Beurteilungen und Prüfungen im Rahmen eines Risikomanagementprozesses. Beuth Verlag. https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-iso-10993-1/288186819
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Ensinger GmbH: Biokompatible Medizinkunststoffe (TECAPEEK MT, TECASON MT) — Übersicht und Sterilisationseigenschaften. https://www.ensingerplastics.com/en-us/plastic-material-selection/biocompatible-medical-grade
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Ensinger GmbH: Sterilisierbare und autoklavierbare Medizinkunststoffe. https://www.ensingerplastics.com/en-us/plastic-material-selection/sterilisable-autoclavable
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Röchling Industrial: SustaPEEK MG mit Biokompatibilität nach ISO 10993-5. https://www.roechling.com/industrial/materials/thermoplastics/high-performance-plastics/peek/sustapeek-mg-natural-591257
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Invibio: PEEK-OPTIMA Implantatmaterialien (FDA 510(k), CE, MDR-konform). https://invibio.com/en/materials-solutions/implantable-peek
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DIN EN ISO 9001:2015 — Qualitätsmanagementsysteme: Anforderungen. Beuth Verlag.


