Ra 0,8 steht auf der Zeichnung. Kein Kommentar, kein Hinweis auf das Material. Der Konstrukteur hat diesen Wert vom Stahlteil übernommen, weil er sich bewährt hat. Beim Kunststoffteil kommt später die Rückfrage: zu glatt, zu rau, zu teuer für diesen Aufwand, oder das Gegenteil.
Kunststoff Frästeile erfordern eine andere Herangehensweise an die Oberflächenspezifikation als Metallteile. Die Bandbreite erreichbarer Ra-Werte ist beim CNC-Fräsen von Kunststoff deutlich größer als beim Metall. Das macht die Festlegung einfacher und zugleich fehleranfälliger, wenn die Materialcharakteristik unbekannt ist.
Dieser Artikel zeigt, welche Ra-Werte bei welchem Kunststoff realistisch sind, wie 3-Achs- und 5-Achs-Bearbeitung die Oberfläche beeinflussen, wann Nachbearbeitung wirtschaftlich sinnvoll ist und welche Branchen welche Anforderungen stellen. Stand: April 2026.
Das Wichtigste in Kürze
| Thema | Key Takeaway |
|---|---|
| Ra-Richtwert Schlichten | Ra 0,4 bis 0,8 µm bei POM und PEEK ohne Nacharbeit erreichbar |
| Norm für Zeichnungen | DIN EN ISO 4287 definiert Ra; Angabe auf Zeichnung nach ISO 1302 |
| 5-Achs-Vorteil | 1 bis 2 Ra-Klassen besser bei Freiformflächen, kein Umspannen |
| Nachbearbeitung | Polieren senkt Ra auf unter 0,1 µm; Gleitschleifen für Serienteile geeignet |
| Medizintechnik | Ra ≤ 0,8 µm für reinigbare Flächen nach ISO 13485-Umfeld gefordert |
Was bestimmt die Oberflächenqualität bei Kunststoff-Frästeilen?
Die Oberflächenqualität von Kunststoff Frästeilen wird durch vier Faktoren bestimmt: Schnittparameter, Werkzeugzustand, Maschinensteifigkeit und die spezifischen Eigenschaften des Kunststoffmaterials. Alle vier wirken zusammen, und ein schwaches Glied dominiert das Ergebnis.
Schnittparameter sind der direkteste Hebel. Vorschub pro Zahn (fz), Schnitttiefe (ap/ae) und Schnittgeschwindigkeit (vc) legen die theoretische Kinematikrauheit fest. Beim Schlichthub liegt fz in der Praxis zwischen 0,05 und 0,15 mm/Zahn für Kunststoffe. Niedrigerer Vorschub verbessert die Oberfläche, erhöht aber die Bearbeitungszeit.
Werkzeugzustand hat beim Kunststofffräsen größere Auswirkungen als beim Metall. Stumpfe Schneiden erzeugen keine saubere Scherzone, sondern Reibungswärme. Das Ergebnis bei Thermoplasten: Die Oberfläche schmiert statt zu trennen. Hartmetall-Fräser mit positivem Spanwinkel (10 bis 15°) und scharfer Schneide sind der Standard für Kunststoffe.
Maschinensteifigkeit überträgt sich direkt auf den Ra-Wert. Jede Schwingung im System, ob durch lose Aufspannung, Spindellagerung oder Werkzeugauskragung, erscheint als periodische Rauheitsstruktur. Besonders bei weichen Kunststoffen wie PE oder PTFE sind Ratterschwingungen ein häufiges Problem.
Materialeigenschaften bestimmen den erreichbaren Grundwert. Kristalline Kunststoffe wie POM oder PEEK bilden in der Scherzone einen definierten Trennbruch. Das gibt gleichmäßigere Oberflächen als bei amorphen Materialien. Ausnahme: Polycarbonat (PC) ist amorph, lässt sich aber sehr sauber fräsen. PTFE hingegen ist wegen seiner Weichheit und Neigung zum Fließen strukturell schwieriger zu zerspanen.
Wie werden Ra-Werte gemessen und spezifiziert?
Ra ist der arithmetische Mittelwert der absoluten Profilabweichungen über eine definierte Messstrecke. Eine niedrigere Zahl bedeutet eine glattere Oberfläche. Ra 0,8 µm gilt als gutes Frässchlichtergebnis; Ra 0,1 µm ist Schleif- oder Polierqualität; Ra 3,2 µm ist ein normales Schruppergebnis.
Die Norm DIN EN ISO 4287 (in der Praxis häufig noch als ISO 4287 referenziert) definiert die Profilparameter Ra, Rz und weitere Kenngrößen. Für die Angabe auf technischen Zeichnungen gilt ISO 1302, die das bekannte Dreieck-Symbol mit Ra-Wert in Mikrometern vorschreibt.
Ra und Rz im Vergleich: Rz ist die gemittelte Rautiefe aus fünf Einzelmessungen. Rz reagiert empfindlicher auf Spitzen und Täler und ist bei Dichtflächen aussagekräftiger als Ra. Die Faustformel für Frässoberflächen lautet: Rz ≈ 4 × Ra. Ein Bauteil mit Ra 0,8 µm hat also eine Rz von etwa 3,2 µm.
Was bedeutet Ra 1,6 in der Praxis? Eine Oberfläche mit Ra 1,6 µm fühlt sich für geübte Hände leicht rau an, hat aber keine erkennbaren Fräsriefen. Sie ist für tragende Flächen, Gehäuse oder nicht-funktionale Flächen ausreichend. Für Gleitflächen oder sterile Anwendungen ist Ra 0,8 µm oder besser notwendig.
Messung in der Fertigung: Das Standardmessgerät ist ein Tastschnittgerät (Profilometer). Die Messstrecke beträgt nach ISO 4288 je nach Ra-Bereich 0,8 mm oder 2,5 mm. Wichtig: Kunststoffe müssen vor der Messung Raumtemperatur haben. Gemessene Ra-Werte kurz nach der Bearbeitung können durch Restwärme verfälscht sein.
Ra-Werte nach Material und Verfahren
Kunststoffe erlauben beim CNC-Fräsen in der Regel bessere Oberflächen als Stahl, weil geringere Schnittkräfte die Maschinenschwingung reduzieren und höhere Schnittgeschwindigkeiten eine sauberere Spanbildung ermöglichen. Die folgende Tabelle zeigt erreichbare Ra-Werte nach Material und Bearbeitungsstand. Alle Werte gelten für optimierte Schnittparameter, scharfes Werkzeug und stabile Aufspannung auf einer CNC-Bearbeitungsanlage (Stand: April 2026).
Ra-Werte-Tabelle: Kunststoff Frästeile nach Material
| Material | Schruppen Ra (µm) | Schlichten Ra (µm) | Optimiert Ra (µm) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| POM-C | 1,6 bis 3,2 | 0,4 bis 0,8 | 0,2 bis 0,4 | Sehr gute Spanbildung; gleichmäßige Oberfläche |
| PEEK | 1,6 bis 3,2 | 0,4 bis 1,6 | 0,2 bis 0,8 | Getemperte Halbzeuge fräsen besser |
| PA 6 / PA 66 | 1,6 bis 6,3 | 0,8 bis 1,6 | 0,4 bis 0,8 | Feuchtigkeitsaufnahme verändert Oberfläche; konditionieren vor Messung |
| PTFE | 3,2 bis 6,3 | 1,6 bis 3,2 | 0,8 bis 1,6 | Weich; neigt zum Schmieren; Einzahn-Fräser |
| PC | 0,8 bis 3,2 | 0,4 bis 0,8 | 0,2 bis 0,4 | Spröde bei falscher Kühlung; kein Kühlmittelzusatz |
| HDPE / PE-HMW | 1,6 bis 6,3 | 0,8 bis 3,2 | 0,8 bis 1,6 | Sehr weich; Grat-anfällig; hoher Vorschub hilft |
| PP | 3,2 bis 12,5 | 1,6 bis 3,2 | 0,8 bis 1,6 | Bei tiefen Temperaturen spröde; Vorwärmen empfehlenswert |
| PVC-U | 0,8 bis 3,2 | 0,4 bis 0,8 | 0,2 bis 0,4 | Gute Bearbeitbarkeit; HCl-Freisetzung bei Überhitzung |
| PVDF | 1,6 bis 3,2 | 0,4 bis 0,8 | 0,2 bis 0,4 | Vergleichbar POM; gut für Chemie-Anwendungen |
Werte gelten für CNC-Fräsen mit HM-Werkzeug, optimierter Parametrierung und Schlichtschnitt. Abweichungen durch Maschinenqualität, Losgrößeneffekte und Haltevorrichtungen möglich. Quelle: Verarbeitungsrichtlinien Ensinger, Röchling, Sahlberg; eigene Fertigungserfahrung H. Scheffel GmbH.
Was die Tabelle bedeutet
POM ist das am besten fräsbare Material in dieser Aufstellung. Ra-Werte unter 0,4 µm sind im Schlichthub ohne Nacharbeit routinemäßig erreichbar. PEEK verhält sich ähnlich, wenn das Halbzeug vor der Bearbeitung getempert wird; das baut Eigenspannungen ab und stabilisiert die Oberfläche.
PTFE ist das schwierigste Material in der Aufstellung. Der Werkstoff fließt plastisch beim Zerspanen. Ein Einzahnfräser mit minimalem Anpressdruck beim Spannen ist die Standardempfehlung. Ra-Werte unter 0,8 µm erfordern beim PTFE Schleifen als Folgeoperation.
PA 6 und PA 66 reagieren auf Feuchtigkeitsaufnahme. Ein PA-Teil, das 24 Stunden in feuchter Umgebung lag, kann sich dimensional und oberflächlich verändert haben. Wer Ra-Werte für Dokumentationszwecke misst, sollte das Bauteil vorher konditionieren.
Gefüllte Kunststoffe (GF- oder CF-Qualitäten von PEEK, PA oder PPS) liegen nicht in dieser Tabelle. Glasfaser und Kohlefaser erzeugen eine inhomogene Oberfläche, bei der Ra-Werte nur bedingt aussagekräftig sind. Freistehende Fasern an der Oberfläche erhöhen den Ra-Messwert, ohne dass die Funktion beeinträchtigt ist. Für gefüllte Materialien empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem Fertiger über die sinnvolle Kennzahl.
Ausführliche Informationen zu Materialspezifika von PEEK, POM und PTFE finden Sie im Artikel CNC-Fräsen von Hochleistungskunststoffen.
Einfluss der Maschine: 3-Achs vs. 5-Achs auf die Oberfläche
Beim CNC-Fräsen von Kunststoff erzeugt die 5-Achs-Bearbeitung bei Freiformflächen systematisch bessere Oberflächen als die 3-Achs-Bearbeitung. Der Grund liegt in der möglichen Werkzeugneigung: Ein gekippter Torus- oder Kugelkopffräser kann tangential über die Fläche geführt werden, statt senkrecht auf sie aufzusetzen.
Der geometrische Unterschied
Beim 3-Achs-Fräsen steht das Werkzeug immer senkrecht zur Aufspannfläche. Freiformflächen werden zeilenweise mit einem Kugelkopffräser bearbeitet. Zwischen den Bahnen entstehen Riefen (Cusps), deren Höhe direkt vom Zeilenabstand abhängt. Geringerer Zeilenabstand = bessere Oberfläche = mehr Bearbeitungszeit.
Die 5-Achs-Maschine kippt das Werkzeug in einem günstigen Winkel zur Fläche. Torus- und Kreisstirnfräser können mit einem größeren Kontaktradius entlang der Fläche geführt werden. Die Cusp-Höhe sinkt bei gleichem Zeilenabstand deutlich. Das Ergebnis: bessere Oberfläche bei kürzerer Bearbeitungszeit.
Vergleich 3-Achs vs. 5-Achs bei Kunststoff Frästeilen
| Merkmal | 3-Achs | 5-Achs |
|---|---|---|
| Ra bei ebenen Flächen | 0,4 bis 1,6 µm | 0,4 bis 1,6 µm (kein Unterschied) |
| Ra bei Freiformflächen | 1,6 bis 3,2 µm | 0,4 bis 1,6 µm |
| Umspannungen bei komplexen Teilen | 2 bis 6 Aufspannungen | 1 Aufspannung |
| Lagetoleranzen über mehrere Seiten | schlechter (Umspannfehler) | besser (keine Referenzfehler) |
| Maschinenstundensatz | 60 bis 90 EUR/h | 90 bis 130 EUR/h |
| Gesamtkosten bei komplexen Bauteilen | oft höher (mehr Aufspannzeit) | oft niedriger (weniger Operationen) |
Stundensätze: Richtwerte für DACH-Raum, Lohnfertigung, Stand April 2026.
Für einfache prismatische Kunststoff Frästeile mit ebenen Flächen, Taschen und Bohrungen ist der 3-Achs-Ansatz wirtschaftlich. Sobald Schrägen, Freiformflächen oder enge Lagetoleranzen über mehrere Seiten gefordert sind, setzt die 5-Achs-Bearbeitung den Standard. Der höhere Maschinenstundensatz amortisiert sich durch weniger Aufspannungen und gleichmäßigere Oberflächen über alle Seiten.
Bei H. Scheffel steht ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum mit Heidenhain-Steuerung und einem Verfahrweg von 3.640 x 1.800 x 900 mm zur Verfügung. Das ermöglicht komplexe Freiformgeometrien in einem Aufspannvorgang, mit nachvollziehbaren Ra-Werten über alle bearbeiteten Flächen.
Detaillierte Entscheidungshilfe zum Thema 3-Achs vs. 5-Achs finden Sie im Artikel 3-Achs oder 5-Achs CNC-Fräsen für Kunststoffteile.
Nachbearbeitung: Wann Polieren, Gleitschleifen oder Beschichten?
Nachbearbeitung ist bei Kunststoff Frästeilen notwendig, wenn Ra-Werte unter 0,4 µm gefordert sind, wenn Funktionsflächen spezifische Gleiteigenschaften brauchen oder wenn optische Klarheit (PC, PMMA) gefordert ist. Der entscheidende Punkt: Nachbearbeitung hat einen Preis, und dieser gehört in die Kalkulation.
Nachbearbeitungs-Vergleichstabelle
| Verfahren | Erreichbarer Ra (µm) | Geeignete Materialien | Serienfähig | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Schleifen (SiC/Al2O3) | 0,1 bis 0,4 | POM, PEEK, PC, PVDF | ja | Nassschliff bei PA problematisch |
| Handspolieren (Schleifpapier) | 0,2 bis 0,4 | alle harten Kunststoffe | bedingt | Zeitintensiv; gut für Einzelteile |
| Maschinenpolieren (Filz + Paste) | 0,05 bis 0,1 | PC, PEEK, PMMA | bedingt | Wärmeentwicklung beachten |
| Hochglanzpolieren | < 0,05 | PC, PMMA | nein | Einzelteilfertigung; optische Qualität |
| Gleitschleifen (Trommel) | 0,4 bis 1,6 | POM, PA, ABS, PP | ja | Kantenverrunden; filigrane Strukturen gefährdet |
| Laserstrukturierung | 0,2 bis 0,8 | POM, PC, PMMA | ja | Lokal anwendbar; Oberfläche wird aufgeschmolzen |
| Lackierung | kein Ra-Vorteil | alle | ja | Farbe, Schutz; Ra kaum beeinflusst |
| Metallisierung (chemisch Ni) | 0,2 bis 0,4 | ABS, PC/ABS | ja | Leiter für EMV, dekorativ |
Wann welches Verfahren?
Schleifen ist die wirtschaftlichste Option für Ra unter 0,4 µm bei harten Kunststoffen wie POM, PEEK oder PVDF. Körnung 120 bis 400 abgestimmt auf den gewünschten Endwert. Nassschliff bei PA vermeiden, da Feuchtigkeitsaufnahme die Oberfläche verändert.
Maschinenpolieren ist sinnvoll für optisch transparente PC-Teile oder PEEK-Bauteile mit funktionaler Gleitfläche. Ra unter 0,1 µm ist damit sicher erreichbar. Die Wärmeentwicklung durch die Polierscheibe ist bei PEEK und PTFE zu kontrollieren.
Gleitschleifen ist die serientaugliche Lösung für das Entgraten und Kantenverrunden von Kleinteilen. Für POM- und PA-Kleinteile in der Medizin- oder Lebensmitteltechnik ist dieses Verfahren effizient und reproduzierbar.
Ausführliche Informationen zu Veredelungsverfahren finden Sie in unserem Artikel Oberflächenveredelung von Kunststoff.
Welche Oberflächenanforderungen gelten in welcher Branche?
Die Anforderungen an Kunststoff Frästeile variieren stark je nach Branche. Die Bandbreite reicht von Ra 0,05 µm für optische Flächen bis Ra 3,2 µm für Gehäuse und Abdeckungen ohne Funktionsanforderung.
Medizintechnik
Für Bauteile im medizinischen Umfeld (ISO 13485-Rahmen) gilt als Richtwert: Ra ≤ 0,8 µm für reinigungsgerechte Flächen. Die EHEDG-Richtlinien für Hygienedesign nennen den gleichen Richtwert für Kontaktflächen mit Lebensmitteln oder pharmazeutischen Produkten. Bei Implantaten oder sterilen Einmal-Produkten sind Ra ≤ 0,4 µm oder engere Spezifikationen üblich.
Relevant: Die Norm schreibt keinen universellen Ra-Wert vor. Die Spezifikation liegt beim Konstrukteur und muss auf die Reinigungsmethode, das Sterilisationsverfahren und den Anwendungszweck abgestimmt sein. PEEK und PVDF sind die bevorzugten Materialien in diesem Segment.
Lebensmittelindustrie
Die Anforderung ist identisch mit der Medizintechnik für Hygieneflächen: Ra ≤ 0,8 µm. Hintergrund ist die Reinigbarkeit: Flächen rauh als Ra 0,8 µm lassen Mikroorganismen in Rillen zurück, die durch Standard-Reinigungsprozesse nicht erreichbar sind. PE-HMW 1000, POM und PVDF lebensmittelkonform sind die gängigen Werkstoffe.
Maschinenbau und Antriebstechnik
Gleitflächen, Führungen und tribologisch beanspruchte Flächen benötigen Ra 0,4 bis 1,6 µm, abhängig von der Gegenfläche und dem Schmierstoff. Gehäuse, Abdeckungen und tragende Strukturteile ohne Gleitfunktion: Ra 1,6 bis 3,2 µm ist ausreichend.
Bei Dichtflächen, also überall dort, wo ein O-Ring oder eine Flachdichtung angedrückt wird, ist Ra ≤ 0,8 µm die typische Anforderung. Der Rz-Wert ist hier aussagekräftiger als Ra.
Elektronik und Optik
Optisch relevante Flächen aus PC oder PMMA benötigen Ra ≤ 0,1 µm. Lichtleitflächen, Linsen oder Abdeckscheiben für Sensorgehäuse liegen oft bei Ra ≤ 0,05 µm und erfordern Hochglanzpolieren. Für nicht-optische Elektronikgehäuse aus ABS oder PC/ABS ist Ra 1,6 µm Standard.
Praxishinweis für Konstrukteure
Wenn keine funktionale Anforderung vorliegt, muss kein Ra-Wert auf der Zeichnung stehen. "Frässchartig" oder kein Eintrag signalisiert Ra 3,2 µm oder schlechter. Jeder eingetragene Ra-Wert, der unter dem Standardfräsergebnis liegt, löst Mehraufwand aus: engere Parameterführung, Schlichtoperationen oder Nacharbeit. Das hat einen Preis. Dieser Preis ist gerechtfertigt, wenn eine Funktion es erfordert, nicht pauschal.
Ergänzend zum Thema Oberflächenspezifikation: Toleranzanforderungen werden in unserem Artikel Toleranzen bei CNC-Kunststoffteilen behandelt.
Fazit: Oberflächenqualität ist ein Kostenfaktor, kein Nebenaspekt
Die Oberfläche eines Kunststoff Frästeils ist kein Qualitätsmerkmal, das automatisch entsteht. Sie ist das Ergebnis von Materialwahl, Schnittparametern, Werkzeugzustand, Maschinenqualität und gegebenenfalls Nachbearbeitungsschritten.
POM und PEEK erlauben Ra-Werte unter 0,4 µm ohne Nacharbeit, wenn die Schnittparameter stimmen. PTFE und weiche Polyolefine bleiben strukturell im Bereich Ra 0,8 bis 1,6 µm ohne Schleifoperation. Die 5-Achs-Bearbeitung erzeugt bei Freiformflächen systematisch bessere Oberflächen als die 3-Achs-Alternative, ohne zwingend teurer zu sein, wenn mehrere Aufspannungen entfallen.
Wer Ra-Anforderungen frühzeitig mit dem Fertiger abstimmt, vermeidet unnötige Nacharbeitsschritte und falsch dimensionierte Fertigungskosten in beiden Richtungen: zu eng spezifiziert verteuert, zu weit spezifiziert riskiert Funktion.
Bei H. Scheffel beraten wir Sie zur Oberflächenspezifikation bereits in der Konstruktionsphase. Unsere CNC-Bearbeitung und Qualitätssicherung nach ISO 9001 stellen sicher, dass die geforderten Ra-Werte reproduzierbar erreicht werden.
Oberflächenanforderungen besprechen: Senden Sie uns Ihre Zeichnung oder Anforderungsliste an die Kontaktseite. Wir prüfen Machbarkeit und geben Ihnen eine Einschätzung zu realistischen Ra-Werten und Kosten.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Ra 1,6 beim CNC-Fräsen von Kunststoff?
Ra 1,6 µm ist der arithmetische Mittelwert der Profilabweichungen über die Messstrecke. Eine Fläche mit Ra 1,6 µm fühlt sich leicht rau an, zeigt aber keine deutlichen Fräsriefen. Dieser Wert ist das typische Ergebnis eines ordentlichen Frässchlichtens ohne spezielle Optimierung. Er ist für Gehäuse, tragende Flächen und nicht-funktionale Oberflächen ausreichend, für Gleitflächen oder Hygieneanwendungen aber zu rau.
Welcher Ra-Wert ist bei POM-Frästeilen erreichbar?
POM-C (Polyoxymethylen) lässt sich besonders gut fräsen. Im Schlichthub mit optimierten Parametern sind Ra-Werte von 0,2 bis 0,4 µm ohne Nacharbeit erreichbar. Das ist ein sehr gutes Ergebnis für ein Fräsverfahren. Für Ra unter 0,2 µm ist Schleifen notwendig. POM gehört zu den am einfachsten zu zerspanenden Kunststoffen, weil es kristallin aufgebaut ist und eine sehr gleichmäßige Spanbildung zeigt.
Wann müssen Kunststoff Frästeile poliert werden?
Polieren ist notwendig, wenn Ra unter 0,4 µm gefordert ist und durch Fräsen allein nicht erreichbar, wenn optische Klarheit bei PC oder PMMA gefordert ist, oder wenn hochwertige Dichtflächen Ra ≤ 0,2 µm erfordern. Für die meisten technischen Anwendungen reicht das Fräsergebnis aus. Polieren sollte nur bei funktionaler Notwendigkeit eingesetzt werden, da es Fertigungszeit und Kosten erhöht.
Was ist der Unterschied zwischen Ra und Rz bei Kunststoffoberflächen?
Ra ist der arithmetische Mittelwert aller Profilabweichungen. Rz ist die gemittelte Rautiefe aus fünf Einzelmessungen der größten Höhenunterschiede. Rz reagiert empfindlicher auf einzelne Spitzen und Täler. Die Faustformel für Frässoberflächen: Rz ≈ 4 × Ra. Für Dichtflächen ist Rz aussagekräftiger als Ra. In der Mehrzahl der Zeichnungen für technische Kunststoffteile wird Ra als Kenngröße verwendet.
Welche Norm gilt für Oberflächenangaben auf technischen Zeichnungen?
Die Angabe der Oberflächenbeschaffenheit auf technischen Zeichnungen regelt ISO 1302 (Symbole und Beschriftungsregeln). Die Messgröße Ra ist in DIN EN ISO 4287 definiert. Seit 2022 gibt es mit DIN EN ISO 21920 eine Erweiterung für Profilparameter, die ISO 4287 in Teilen ablöst. In der Fertigungspraxis und in den meisten Zeichnungsstandards der DACH-Industrie ist DIN EN ISO 4287 mit Ra/Rz nach wie vor die Referenz (Stand: April 2026).
Sind Ra-Werte bei glasfasergefüllten Kunststoffen anders zu bewerten?
Ja. Glasfaser- und kohlefasergefüllte Kunststoffe (z.B. PEEK GF30, PA GF15) erzeugen eine inhomogene Oberfläche. Freistehende Fasern erhöhen den Ra-Messwert, ohne dass die Funktion beeinträchtigt ist. Ra-Werte an gefüllten Materialien sind nur bedingt vergleichbar mit ungefüllten Qualitäten. Für Präzisionsflächen an gefüllten Materialien empfiehlt sich eine direkte Abstimmung mit dem Fertiger über sinnvolle Kenngröße und Prüfmethode.
Quellen
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DIN EN ISO 4287:2010 — Geometrische Produktspezifikation (GPS), Oberflächenbeschaffenheit: Tastschnittverfahren, Begriffe, Definitionen und Kenngrößen. Beuth Verlag.
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DIN EN ISO 21920-2:2022 — Geometrische Produktspezifikation (GPS), Profile-Oberflächenbeschaffenheit. Beuth Verlag.
-
ISO 1302:2002 — Geometrische Produktspezifikationen (GPS), Angabe der Oberflächenbeschaffenheit in der technischen Produktdokumentation. ISO Geneva.
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Sahlberg GmbH: Bearbeitungsrichtlinien technische Kunststoffe. https://www.sahlberg.de/files/Bilder/Sahlberg/Kataloge/SAHLBERG_Bearbeitungsrichtlinien_Kunststoffe.pdf
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Ensinger GmbH: Technische Datenblätter PEEK, POM, PTFE, PA. https://www.ensingerplastics.com/de-de
-
Röchling Engineering Plastics: Werkstoffübersicht und Verarbeitungshinweise. https://www.roechling.com/de/engineering-plastics
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EHEDG: Hygienic design of equipment and premises — Guideline Doc. 32, surface roughness requirements. https://www.ehedg.org


