±0,01 mm auf der Zeichnung eingetragen, beim Stahlteil kein Problem. Beim Kunststoffteil kommt die Reklamation. Dieses Szenario kennen Konstrukteure, die Metallteile direkt in Kunststoff umgezeichnet haben, ohne die Materialeigenschaften anzupassen.
Kunststoff Toleranzen folgen anderen physikalischen Gesetzen als Metalltoleranzen. Kunststoffe dehnen sich 5 bis 10 Mal stärker aus als Stahl. Polyamid nimmt Feuchtigkeit auf und verändert dabei seine Abmessungen um mehrere Zehntel Millimeter. PTFE verändert nahe der Raumtemperatur seine Kristallstruktur. Diese Eigenschaften sind nicht behebbar, sie sind physikalisch.
Hinzu kommt: Viele Zeichnungen für CNC-Kunststoffteile referenzieren noch immer DIN 16901, eine Norm, die seit 2009 zurückgezogen ist. Wer für die Ausschreibung eine belastbare Grundlage braucht, benötigt Klarheit über die tatsächlich gültigen Normen und über das, was in der spanenden Fertigung bei welchem Werkstoff realistisch erreichbar ist.
Was Sie in diesem Artikel erfahren: welche Kunststoff Toleranzen beim CNC-Fräsen und CNC-Drehen tatsächlich erreichbar sind, welche Normen aktuell gelten, wie eine materialspezifische Toleranztabelle aussieht und was engere Toleranzen konkret kosten.
Das Wichtigste in Kürze
| Thema | Key Takeaway |
|---|---|
| Normenlage (Stand März 2026) | DIN ISO 2768-m gilt als Standard für CNC-gefräste Kunststoffteile |
| Engste Toleranz POM | ±0,02 mm bei CNC-Drehen unter optimalen Bedingungen erreichbar |
| Engste Toleranz PEEK | ±0,01 mm möglich, bei sehr guter Prozesskontrolle und KMG-Prüfung |
| Kunststoff Toleranzen PA und PTFE | ±0,1 mm empfohlen wegen Feuchtigkeitsaufnahme bzw. Kriechneigung |
| Kostenfaktor | Unter ±0,05 mm steigen die Kosten exponentiell, nicht linear |
| H. Scheffel | ±0,05 mm bei POM als Standardtoleranz, 5-Achs-Heidenhain-Anlage |
Warum verhalten sich Kunststoff-Toleranzen anders als bei Metall?
Kunststoff Toleranzen sind schwieriger einzuhalten als Metalltoleranzen, weil Kunststoffe sich 5 bis 10 Mal stärker ausdehnen als Stahl und Polyamid zusätzlich Feuchtigkeit aufnimmt, die seine Abmessungen verändert. Diese beiden Faktoren machen enge Kunststoff Toleranzen grundsätzlich aufwändiger und teurer als vergleichbare Metalltoleranzen.
Wärmeausdehnung: Der entscheidende Unterschied
Der thermische Ausdehnungskoeffizient (CTE) beschreibt, wie stark ein Material pro Grad Kelvin Temperaturdifferenz sein Volumen verändert. Der Vergleich zeigt das Ausmaß:
| Material | Ausdehnungskoeffizient (× 10⁻⁶/K) |
|---|---|
| Stahl (allgemein) | ca. 11-12 |
| Aluminium | ca. 23 |
| PEEK | ca. 47 |
| PMMA (Acrylglas) | ca. 70-80 |
| PC (Polycarbonat) | ca. 65-70 |
| PA 6 | ca. 80-100 |
| POM (Acetal) | ca. 100-120 |
| PTFE | ca. 120 |
Ein POM-Bauteil mit 100 mm Länge verändert seine Abmessung bei 10°C Temperaturdifferenz um etwa 0,10-0,12 mm. Bei Stahl wären es nur ca. 0,011-0,012 mm. Diese Differenz macht deutlich, warum Toleranzangaben ohne Temperaturangabe bei Kunststoffteilen wenig aussagekräftig sind. (Stand: März 2026, Werte nach Ensinger-Verarbeitungsrichtlinien.)
Feuchtigkeitsaufnahme bei Polyamid
Polyamid (PA 6, PA 6.6) nimmt je nach Umgebungsfeuchte bis zu 3,5% seines Gewichts an Wasser auf. Das führt zu messbaren Maßveränderungen. Ein PA-Bauteil, das in trockenem Zustand auf ±0,05 mm gefertigt wurde, kann nach Wochen im Normklima um mehrere Zehntel Millimeter "gewachsen" sein.
Die Konsequenz: PA-Teile sollten vor der finalen Maßprüfung in Normklima konditioniert sein. Alternativ muss der Konditionierungszustand explizit in der Zeichnung angegeben werden.
Restspannungen aus dem Halbzeug
Kunststoffhalbzeuge wie Platten, Rundstäbe und Profile werden extrudiert oder stranggepresst. Dabei entstehen innere Spannungen im Material. Beim Fräsen werden diese Spannungen freigesetzt, das Bauteil kann sich verbiegen oder verziehen, auch noch Stunden nach der Bearbeitung.
Besonders kritisch: großflächige Platten aus PA oder PC, bei denen nach dem Fräsen keine mechanische Restraint mehr vorhanden ist. Hier ist ein Tempern nach der Grob- und vor der Feinbearbeitung eine bewährte Praxis.
Schlechte Wärmeleitfähigkeit
Kunststoffe leiten Wärme schlecht. Die beim Fräsen entstehende Reibungswärme bleibt im Bauteil und im Werkzeug. Ohne ausreichende Kühlung entsteht lokale Überhitzung, die zu thermischer Verformung und nachfolgendem Verzug führt. Deshalb müssen bei der CNC-Bearbeitung von Kunststoffen Schnittparameter, Werkzeuggeometrie und Kühlung aufeinander abgestimmt sein.
Welche Normen gelten für CNC-gefräste Kunststoffteile?
Für spanend hergestellte Kunststoffteile gilt DIN ISO 2768 als maßgebliche Allgemeintoleranznorm, wenn es um Kunststoff Toleranzen beim CNC-Fräsen und CNC-Drehen geht. ISO 20457 (früher DIN 16742, davor DIN 16901) gilt für Spritzguss-Formteile und ist für CNC-gefertigte Teile nicht die richtige Referenz.
DIN ISO 2768: Die relevante Norm für CNC-Kunststoffteile
DIN ISO 2768 definiert Allgemeintoleranzen für spanend hergestellte Teile in vier Klassen:
| Klasse | Bezeichnung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| f | fein | Präzisionsteile, enger Toleranzanspruch |
| m | mittel | Standardteil, häufigste Klasse in der Praxis |
| c | grob | Wenn größere Abweichungen toleriert werden können |
| v | sehr grob | Rohteil-Toleranzen, Grobbearbeitung |
Konkrete Toleranzwerte Klasse m (Längenmaße, Auszug):
| Nennmaßbereich | Toleranz Klasse m |
|---|---|
| 0,5 bis 3 mm | ±0,1 mm |
| über 3 bis 30 mm | ±0,2 mm |
| über 30 bis 120 mm | ±0,3 mm |
| über 120 bis 400 mm | ±0,5 mm |
Für Präzisions-Kunststoffteile wird in der Praxis häufig DIN ISO 2768-f als Ausgangspunkt vereinbart, mit kritischen Maßen als Einzeltoleranzen in der Zeichnung.
DIN 16901: Zurückgezogen, aber noch zitiert
DIN 16901 aus dem Jahr 1973 regelte Maßtoleranzen für Kunststoff-Formteile. Die Norm wurde im Oktober 2009 zurückgezogen, weil sie den Stand der Technik nicht mehr abbildete: nur 43 Materialien als Basis, keine CAD-Kompatibilität, kein Bezug zum ISO-Toleranzsystem (ISO 286-1). Sie gilt rechtlich nicht mehr. Wer DIN 16901 in aktuellen Zeichnungen zitiert, referenziert eine ungültige Norm.
ISO 20457 / DIN 16742: Nur für Spritzguss
DIN 16742 (2013) und sein Nachfolger ISO 20457 (2018, in Deutschland gültig ab 2020) definieren Toleranzgruppen TG1 bis TG9 für Kunststoff-Formteile aus dem Spritzguss. Einflussfaktoren: Fertigungsverfahren, physikalische Eigenschaften des Kunststoffs, Werkzeugdesign, Prozesskontrolle.
Für CNC-gefräste oder CNC-gedrehte Kunststoffteile ist diese Norm nicht die richtige Referenz. Sie beschreibt das Spritzgussverfahren mit seinen spezifischen Toleranzproblemen (Schwindung, Kavitätenverschleiß). Bei CNC-Teilen gilt DIN ISO 2768.
IT-Grundtoleranzwerte und Kunststoff
ISO-Grundtoleranzwerte IT6, IT7 und IT8 werden aus dem Metallbau bekannt sein. Bei Kunststoffteilen sollten diese Klassen nicht eingesetzt werden. Die erreichbaren Toleranzen liegen bei Kunststoff eher im Bereich IT9 bis IT13, abhängig vom Material:
-
Kategorie A (geringe Feuchtigkeitsaufnahme: POM, PEEK, PTFE, PP, PMMA): IT9 bis IT11 für gedrehte Teile möglich
-
Kategorie B (hohe Feuchtigkeitsaufnahme: PA 6, PA 6.6, PA 12): IT10 bis IT13, engere Toleranzen nur nach Konditionierung
Erreichbare Toleranzen nach Fertigungsverfahren
Die erreichbare Toleranz hängt nicht nur vom Material ab, sondern auch davon, wie ein Teil gefertigt wird. CNC-Drehen erlaubt in der Regel engere Toleranzen als CNC-Fräsen, weil die Drehbewegung geometrisch kontrollierbarer ist.
| Verfahren | Standardtoleranz | Gut erreichbar | Präzision (Sonderaufwand) |
|---|---|---|---|
| CNC-Fräsen (3-Achs) | ±0,1 mm | ±0,05 mm | ±0,02 mm |
| CNC-Fräsen (5-Achs, Heidenhain) | ±0,05 mm | ±0,02 mm | ±0,01 mm* |
| CNC-Drehen | ±0,05 mm | ±0,02 mm | ±0,01 mm* |
| Manuelle Bearbeitung | ±0,1-0,3 mm | ±0,1 mm | nicht sinnvoll |
| Schleifen (Nachbearbeitung) | ±0,02 mm | ±0,01 mm | ±0,005 mm |
*Nur bei temperaturstabilen Materialien wie PEEK, POM mit KMG-Prüfung und Temperaturausgleich
Bei H. Scheffel kommen 5-Achs-Anlagen mit Heidenhain-Steuerung zum Einsatz (Bearbeitungsvolumen bis max. 3640 × 1800 × 900 mm). ±0,05 mm bei POM sind als Standardtoleranz im Alltagsbetrieb erreichbar. Engere Toleranzen sind auf Anfrage möglich und werden im Vorfeld technisch abgestimmt.
Toleranzen nach Material: PEEK, POM, PA, PTFE und PMMA im Vergleich
Das Kernstück jeder Toleranzplanung für CNC-Kunststoffteile ist die materialspezifische Betrachtung. Diese Tabelle zeigt, welche Kunststoff Toleranzen für CNC-gefräste und CNC-gedrehte Teile erreichbar sind, aufgeschlüsselt nach Werkstoff. (Stand: März 2026, Werte nach Ensinger- und Röchling-Verarbeitungsrichtlinien sowie DIN ISO 2768-1.)
| Material | Standard CNC | Engste sinnvoll | Feuchtigkeitsklasse | Kritischer Faktor |
|---|---|---|---|---|
| PEEK | ±0,05 mm | ±0,01 mm | A (extrem gering, <0,1%) | Beste Dimensionsstabilität aller Kunststoffe |
| POM (Acetal) | ±0,05 mm | ±0,02 mm | A (sehr gering, <0,2%) | Gut zerspanbar, hohe Formstabilität |
| PA 6 | ±0,1 mm | ±0,05 mm | B (hoch, bis 3,5%) | Konditionierung vor Messung erforderlich |
| PA 6.6 | ±0,1 mm | ±0,05 mm | B (hoch, bis 3,0%) | Wie PA 6, etwas temperaturstabiler |
| PTFE | ±0,1 mm | ±0,05 mm | A (praktisch null) | Kriechneigung unter Last, Phasenänderung |
| PMMA (Acrylglas) | ±0,05-0,1 mm | ±0,05 mm | A (gering) | Spröde, Spannungsrisse bei zu engen Passungen |
| PC (Polycarbonat) | ±0,05-0,1 mm | ±0,05 mm | A (gering) | Spannungsrissempfindlich gegen Öle |
| PP | ±0,1-0,2 mm | ±0,1 mm | A (sehr gering) | Weich, schlechte Maßhaltigkeit |
PEEK: Der Präzisionskunststoff
PEEK hat mit ca. 47 × 10⁻⁶/K den mit Abstand niedrigsten Ausdehnungskoeffizienten aller hier genannten Kunststoffe. In Kombination mit fast keiner Feuchtigkeitsaufnahme und guter mechanischer Stabilität ist PEEK der beste Kandidat für enge Kunststoff Toleranzen. ±0,01 mm sind bei Drehteilen mit entsprechendem Prozessaufwand erreichbar. PEEK ist damit das einzige Standardmaterial, das sich bei konsequenter Prozesskontrolle annähernd an Aluminium-Toleranzniveaus heranarbeitet.
POM: Wirtschaftlicher Standard für Präzisionsteile
POM (Polyoxymethylen, Acetal) ist das am häufigsten verwendete Material, wenn Dimensionsstabilität und gute Zerspanbarkeit gefragt sind. POM-Kunststoff Toleranzen von ±0,05 mm sind im CNC-Alltagsbetrieb erreichbar und reproduzierbar, ohne Sonderaufwand bei der Prüfung. Die geringe Feuchtigkeitsaufnahme unter 0,2% macht POM planbar. Es ist kein Zufall, dass POM in vielen technischen Zeichnungen für Gleitlager, Führungselemente und Gehäuseteile als erstes Material in Frage kommt, wenn Maßhaltigkeit eine Rolle spielt.
PA: Feuchtigkeitsmanagement ist Pflicht
Polyamid in den Varianten PA 6 und PA 6.6 absorbiert je nach Umgebungsfeuchte 2,5 bis 3,5% seines Gewichts. Das entspricht bei einem PA-Bauteil mit 100 mm Länge einer potentiellen Maßänderung von 0,2 bis 0,5 mm. Toleranzen unter ±0,05 mm bei PA sind nur dann dauerhaft haltbar, wenn der Verwendungszustand (trocken, konditioniert, wassergesättigt) klar definiert ist.
PTFE: Kriechneigung und Phasenänderung
PTFE hat zwei besondere Eigenschaften, die Kunststoff Toleranzen unter ±0,05 mm bei diesem Material schwer beherrschbar machen. Erstens kriecht PTFE unter mechanischer Last, Presspassungen lockern sich über die Zeit. Zweitens durchläuft PTFE nahe der Raumtemperatur (bei ca. 19°C) eine kristalline Phasenänderung, die eine Volumenänderung von mehreren Zehnteln Prozent verursacht. Ein PTFE-Teil, das direkt nach der Bearbeitung exakt auf Maß liegt, kann nach einem Temperaturzyklus über die 19°C-Schwelle anders liegen. Für funktionskritische Passungen mit PTFE sollte daher grundsätzlich mit Spielpassungen und entsprechend großzügigen Toleranzen geplant werden.
Typische Fehler bei der Toleranzangabe
Viele Reklamationen bei Kunststoffteilen entstehen nicht in der Fertigung, sondern durch falsch eingetragene Kunststoff Toleranzen auf der Zeichnung. Das sind die häufigsten Fehler, die H. Scheffel in der Praxis sieht.
Metallzeichnung direkt auf Kunststoff übertragen. IT6 oder IT7 aus dem Metallbau sind als Kunststoff Toleranzen nicht geeignet. Bei einem Wellendurchmesser mit h6-Toleranz ergibt sich bei 50 mm Nennmaß eine Toleranz von +0/-0,016 mm. Das ist bei keinem Kunststoff im Serienbetrieb wirtschaftlich erreichbar.
Messtemperatur fehlt. Bei Kunststoff ist die Referenztemperatur 20°C nach ISO 1 Pflicht, wenn enge Toleranzen gefordert sind. Teile, die am warmen Bauteil oder direkt nach der Bearbeitung gemessen werden, zeigen andere Werte als bei 20°C.
Gleiche Toleranz überall. Nicht jedes Maß auf einer Zeichnung ist funktional kritisch. Wer alle Maße mit ±0,01 mm toleriert, zahlt für Präzision an Stellen, wo ±0,5 mm ausreichend wäre. Eine funktionale Toleranzanalyse spart Zeit und Geld.
Toleranzketten nicht durchgerechnet. Wenn mehrere Kunststoffteile zusammengebaut werden, summieren sich die Einzeltoleranzen. Bei vier PA-Teilen mit je ±0,1 mm entsteht im ungünstigsten Fall eine Systemabweichung von ±0,4 mm. Das muss im Design berücksichtigt sein.
Expertentipp von Frank Schulte: Sprechen Sie Toleranzanforderungen vor der Zeichnungsfreigabe mit dem Fertiger ab. Wir klären in einem kurzen Gespräch, welche Toleranzen bei welchem Material wirtschaftlich erreichbar sind, und empfehlen ggf. eine andere Materialwahl für Ihre Anforderungen.
Was kostet eine engere Toleranz wirklich?
Der Zusammenhang zwischen Toleranz und Fertigungskosten ist exponentiell. Unter ±0,05 mm steigen Rüstzeiten, Bearbeitungszyklen und Prüfaufwand überproportional, ab ±0,01 mm ist 100%-KMG-Prüfung erforderlich.
Das bedeutet in der Praxis:
| Toleranzbereich | Aufwandsstufe | Kostenfaktor (Index) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| ±0,2 mm und weiter | Standardbearbeitung | 1,0 | Allgemeintoleranz DIN ISO 2768-m |
| ±0,1 mm | Angepasste Parameter | 1,1-1,2 | Kein Sonderaufwand |
| ±0,05 mm | Optimierte Bearbeitung | 1,2-1,5 | Zwischenmessung, langsamere Vorschübe |
| ±0,02 mm | Präzisionsbearbeitung | 1,5-2,0 | Stichproben-KMG, Temperaturausgleich |
| ±0,01 mm | Hochpräzision | 2,0-3,5 | 100%-KMG, Sonderwerkzeuge, Klimazone |
| <±0,01 mm | Spezialverfahren | >3,5 | Schleifen, Honen, selten bei Kunststoff sinnvoll |
Die Kostentreiber hinter diesen Stufen:
-
Maschinenstunden: Langsamere Vorschübe und mehr Zwischenschritte verlängern die Bearbeitungszeit.
-
Rüstzeit: Präzisionsspannung und Ausrichtung des Rohlings brauchen mehr Zeit.
-
Prüfaufwand: Koordinatenmessgeräte (KMG) sind teuer. 100%-Prüfung multipliziert den Prüfaufwand.
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Ausschussrate: Je enger die Toleranz, desto häufiger liegen Teile knapp außerhalb. Ausschuss kostet Material und Zeit.
-
Sekundärprozesse: Schleifen oder Honen nach dem Fräsen erfordert einen weiteren Arbeitsgang.
-
Temperaturmanagement: Sehr enge Toleranzen erfordern Temperaturausgleich zwischen Bearbeitungsschritten.
Was teure Fehltoleranzen kosten
Wer auf Vorrat engste Toleranzen eintragen lässt, "um auf der sicheren Seite zu sein", zahlt in der Fertigung dafür ohne Nutzen. Noch teurer wird es, wenn nachträglich festgestellt wird, dass die eingetragene Toleranz bei dem gewählten Material physikalisch nicht dauerhaft haltbar ist. Nacharbeiten, Zeichnungsänderungen und Lieferverzögerungen entstehen.
Die wirtschaftlich richtige Wahl von Kunststoff Toleranzen beginnt mit der Frage: Welche Funktion muss dieses Maß erfüllen? Erst dann folgt die Toleranzangabe, angepasst an Material, Verfahren und Stückzahl.
Fazit: Kunststoff Toleranzen brauchen eine andere Denkweise
Kunststoff Toleranzen beim CNC-Fräsen folgen anderen physikalischen Regeln als beim Metall. Wärmeausdehnung, Feuchtigkeitsaufnahme und Kriechneigung sind Materialeigenschaften, die in der Toleranzplanung von Anfang an berücksichtigt sein müssen, nicht nachträglich.
Für die Praxis gilt: POM und PEEK sind die besten Materialien, wenn enge Kunststoff Toleranzen erforderlich sind. PA braucht eine Konditionierungsdefinition. PTFE erlaubt keine Presspassungen. Und für alle Materialien gilt: unter ±0,05 mm steigen die Kosten exponentiell.
Die Norm-Frage ist eindeutig: DIN 16901 ist seit 2009 ungültig. Für CNC-gefräste Kunststoffteile gilt DIN ISO 2768. ISO 20457 betrifft Spritzguss-Formteile, nicht spanend hergestellte Bauteile. Wer Zeichnungen noch mit DIN 16901 bezeichnet, riskiert Missverständnisse in der Ausschreibung.
Die gute Nachricht: Mit einer frühzeitigen Abstimmung zwischen Konstruktion und Fertigung lassen sich Toleranzen so festlegen, dass sie funktional erfüllt werden, wirtschaftlich herstellbar sind und keine Reklamationen produzieren.
Sie möchten Toleranzanforderungen für Ihr Kunststoffbauteil absprechen? H. Scheffel GmbH berät Sie technisch vor der Zeichnungsfreigabe. Jetzt Anfrage stellen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Toleranz ist Standard bei CNC-gefrästen Kunststoffteilen?
Standard ist DIN ISO 2768-m (mittel). Bei Maßen zwischen 30 und 120 mm entspricht das ±0,3 mm. In der Praxis vereinbaren viele Hersteller DIN ISO 2768-f (fein) als Ausgangsklasse, mit Einzeltoleranzen für kritische Maße. Bei H. Scheffel ist ±0,05 mm bei POM im Alltagsbetrieb erreichbar.
Gilt DIN 16901 noch für spanend hergestellte Kunststoffteile?
Nein. DIN 16901 wurde im Oktober 2009 zurückgezogen und ist rechtlich nicht mehr gültig. Für CNC-gefertigte Kunststoffteile gilt DIN ISO 2768. DIN 16742 und ihr Nachfolger ISO 20457 regeln Spritzguss-Formteile, nicht spanend hergestellte Teile.
Warum müssen PA-Teile vor der Messung konditioniert werden?
Polyamid nimmt je nach Umgebungsfeuchte bis zu 3,5% seines Gewichts an Wasser auf. Das verändert die Abmessungen messbar. Ein PA-Bauteil im trockenen Zustand nach der Fertigung hat andere Maße als nach Wochen im Normklima. Der Konditionierungszustand muss in der Zeichnung angegeben sein, damit die Maßprüfung reproduzierbar ist.
Kann PTFE auf ±0,01 mm gefräst werden?
In der Fertigung ist ±0,01 mm kurzfristig erreichbar, aber dauerhaft nicht sinnvoll. PTFE kriecht unter Last und verändert nahe 19°C seine Kristallstruktur mit messbarer Volumenänderung. Passungen, die direkt nach der Fertigung passen, können nach Wochen zu locker sitzen. ±0,05 mm bis ±0,1 mm ist die empfohlene Toleranz für PTFE-Bauteile.
Ab wann lohnt sich Schleifen statt Fräsen für enge Toleranzen bei Kunststoff?
Schleifen als Nachbearbeitungsschritt wird bei Kunststoff sinnvoll, wenn Toleranzen unter ±0,02 mm gefordert werden und das Material thermisch stabil genug ist (PEEK, POM). Bei weicheren Kunststoffen wie PTFE oder PP ist Schleifen wegen der Verformungsneigung selten zielführend. Der Kostenaufwand steigt erheblich.
Quellen
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DIN ISO 2768-1:1991 und DIN ISO 2768-2:1991 — Allgemeintoleranzen (Teil 1: Längen- und Winkelmaße, Teil 2: Form- und Lagetoleranzen). Beuth Verlag.
-
ISO 20457:2018 / DIN ISO 20457:2020 — Toleranzen für Kunststoff-Formteile. Beuth Verlag.
-
VDI-Wissensforum: Toleranzmanagement bei Kunststoff-Formteilen. https://www.vdi-wissensforum.de/weiterbildung-kunststoff/toleranzmanagement-kunststoff-formteile/
-
Ensinger GmbH: Verarbeitungsrichtlinien und Wärmedehnungswerte für technische Kunststoffe. https://www.ensingerplastics.com/de-de
-
Röchling Engineering Plastics: Werkstoffübersicht mit Toleranzkategorisierung A/B. https://www.roechling.com/de/engineering-plastics
-
DIN EN ISO 9001:2015 — Qualitätsmanagementsysteme: Anforderungen. Beuth Verlag.


